Berlin verankert Holzbauweise in Bauordnung

Neue Entwicklungen in den Bauordnungen, insbesondere in der Bauordnung Berlin, die Ermöglichung des Holzbaus betreffend

Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Wohnen hat am 7. März 2018 eine Beschlussempfehlung zur Änderung der Bauordnung Berlin (BauO Bln) verabschiedet, die das Abgeordnetenhauses am 22. März 2018 beschließen soll. Neben Regelungen zu Bauprodukten, zur Umsetzung der Seveso-Richtlinie (link), zu Abrissen und der zeitlichen Gültigkeit von Baugenehmigungen wird im § 26 eine Regelung zur einfacheren Genehmigung von Gebäuden aus Holz bzw. mit tragenden Teilen aus Holz eingeführt.

Im 27seitigen „Änderungsantrag der Fraktionen der SPD, Die Linke und Bündnis90/Die Grünen“ im Berliner Abgeordnetenhaus findet sich unter 15.1. folgender Passus zur Änderung der Bauordnung Berlin (BauO Bln):

15.1.: Dem § 26 wird folgender Absatz 3 angefügt:


“(3) Abweichend von Absatz 2 Satz 3 sind tragende oder aussteifende sowie raumabschließende Bauteile, die hochfeuerhemmend oder feuerbeständig sein müssen, in Holzbauweise zulässig, wenn die erforderliche Feuerwiderstandsfähigkeit gewährleistet wird.”


neue Zeile

Diese unscheinbare Formulierung, die sich bereits seit März 2015 in ähnlicher Form in der Landesbauordnung für Baden-Württemberg (LBO) befindet


(3) Abweichend von Absatz 2 Satz 3 sind tragende oder aussteifende sowie raumabschließende Bauteile, die hochfeuerhemmend oder feuerbeständig sein müssen, aus brennbaren Baustoffen zulässig, wenn die geforderte Feuerwiderstandsdauer nachgewiesen wird und die Bauteile so hergestellt und eingebaut werden, dass Feuer und Rauch nicht über Grenzen von Brand- oder Rauchschutzbereichen, insbesondere Geschosstrennungen, hinweg übertragen werden können.


bedeutet nicht weniger als eine nahezu revolutionäre Öffnung des mehrgeschossigen Wohnungs- und Gewerbebaus (Gebäuden über 7 Meter Höhe des obersten Fußbodens bis zur Hochhausgrenze) für den Einsatz von Holz – ein nachwachsender und nachhaltiger Baustoff.

Mit dieser Änderung der BauO Bln wird zugelassen, dass tragende, aussteifende oder raumabschließende Bauteile, wie Decken, Trennwände oder Stützen, die als hochfeuerhemmende Bauteile (d.h. mit der Feuerwiderstandsfähigkeit F 60) oder als feuerbeständige Bauteile (F 90) ausgeführt werden müssen, aus brennbaren Baustoffen (z.B. Holz) ohne (nichtbrennbare) Brandschutzbekleidung bestehen dürfen, soweit die erforderliche Feuerwiderstandsdauer von 60 bzw. 90 Minuten tatsächlich erreicht wird. Dadurch wird auch bei Gebäuden über 7 Meter Höhe des obersten Fußbodens der Holzbau durchgängig ermöglicht.

Die Berliner Formulierung ist deutlich kürzer und präziser gefasst als die der Bauordnung Baden-Württemberg (LBO). Sie hebt sich auch positiv von der in der Hamburger Bauordnung (HBauO) vorgesehenen Fassung ab


(3) Bei Gebäuden mit einer Höhe nach § 2 Absatz 3 Satz 2 von bis zu 22 m und Nutzungseinheiten mit jeweils nicht mehr als 200 m² und Brandabschnitten von nicht mehr als 800 m² pro Geschoss sind abweichend von Absatz 2 Satz 3 tragende oder aussteifende sowie raumabschließende Bauteile, die hochfeuerhemmend oder feuerbeständig sein müssen, in massiver Holzbauweise zulässig, wenn die geforderte Feuerwiderstandsfähigkeit nachgewiesen wird.


die ausschließlich auf die „massive Holzbauweise“ fokussiert ist. Dadurch werden andere Bauweisen aus Holz, z.B. Holzrahmen oder Holzskelettbauweisen, bauordnungsrechtlich von der gewünschten Neuerung ausgeschlossen

Die Erfahrung zeigt jedoch, dass diese Bauweisen bei sorgfältiger Planung und Ausführung, die vor allem gefährliche Hohlräume in den Holzbauteilen und ihren Anschlüssen vermeiden muss. brandschutztechnisch der Massivbauweise in nichts nachstehen. Andererseits sind Holzrahmen- und Holzskelettbau vor allem in den weniger „holzlastigen“ norddeutschen Bundesländern anzutreffen, wo sie vielfach bei Einfamilienhäusern und anderen niedrigen Gebäuden eingesetzt werden.

Eberl-Pacan
Architekten + Ingenieure für Brandschutz
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