Im Norden geht die Sonne auf

Hansestadt Hamburg erleichtert das Bauen mit Holz

Der Hamburger Senat hat am 13.06.2017 Veränderungen der Hamburgischen Bauordnung beschlossen, die den Wohnungsbau erleichtern sollen. Die neue Hamburgische Bauordnung soll u.a. das Bauen mit Holz auch bei mehrgeschossigen Gebäuden und großen Projekten ermöglichen.

Hamburg hat erkannt, dass Holz auch in Sachen Brandschutz ein sicherer Baustoff ist, der zudem über viele ökologische Vorteile, wie z.B. gute Dämmeigenschaften verfügt. Deshalb sei es an der Zeit gewesen, die Bauordnung zu ändern, sagte die Hamburger Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeld (SPD): “So darf Holz künftig auch für Bauvorhaben mit einer Höhe von bis zu 22 Metern – das entspricht etwa sechs bis sieben Stockwerken – genutzt werden.” Bislang waren tragende Teile aus Holz nur bis zu einer Höhe von drei Stockwerken (Gebäudeklasse 3) zulässig.

Weitere Erleichterung für Bauherren

Bauen mit vorgefertigten Holzelementen geht schneller, ist billiger und macht weniger Lärm. Deshalb eignet es sich besonders in Baulücken und beim Ausbau von Dachgeschossen.

Hier verspricht die Senatorin eine weitere Erleichterung: “Bei Schaffung von zusätzlichem Wohnraum können Bauherren zukünftig auf den Einbau von Aufzügen verzichten.” Das spare Kosten von bis zu 100.000 Euro pro Haus. Stapelfeld meinte, mit den Änderungen habe man die “Bauordnung fit gemacht für die Herausforderungen der kommenden Jahre.”

Bauen mit Holz soll Normalität werden in der Großstadt Hamburg.

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IBA Hamburg 2006 – 2013

Bereits bei der Internationalen Bauausstellung (IBA) 2006 bis 2013 erwies sich Hamburg als Vorreiter in Sachen Holzbau. Mit Gebäuden wie dem WOODCUBE, dem WÄLDERHAUS, Holz 5 1/4, dem Soft House oder dem Case Study Hamburg – CSH hat die IBA bereits damals bewiesen, dass Holz als Baumaterial in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat und dass das Bewusstsein für einen schonenden Umgang mit Ressourcen und die Beachtung ökologischer Grundsätze auch im Bauwesen ein Umdenken herbeigeführt hat.

Welche zukunftsweisenden Ansätze es im Holzbau gibt und wie traditionelle Techniken des Holzmassivbaus neu interpretiert werden können, zeigte das IBA-Projekt WOODCUBE auf eindrucksvolle Art und Weise.

DIE WICHTIGSTEN ÄNDERUNGEN IM ÜBERBLICK

Holzbau – § 24 Absatz 3 HBauO (neu)

Bei Gebäuden mit einer Höhe nach § 2 Absatz 3 Satz 2 von bis zu 22 m und Nutzungseinheiten mit jeweils nicht mehr als 200 m² und Brandabschnitten von nicht mehr als 800 m² pro Geschoss sind abweichend von Absatz 2 Satz 3 tragende oder aussteifende sowie raumabschließende Bauteile, die hochfeuerhemmend oder feuerbeständig sein müssen, in massiver Holzbauweise zulässig, wenn die geforderte Feuerwiderstandsfähigkeit nachgewiesen wird.

Aufzüge – § 37 Absatz 4 HBauO (geändert)

Gebäude mit einer Höhe nach § 2 Absatz 3 Satz 2 von mehr als 13,0 m müssen Aufzüge in ausreichender Zahl haben; dies gilt nicht, soweit bei bestehenden Gebäuden zusätzlicher Wohnraum durch Änderung des Dachgeschosses oder durch Errichtung zusätzlicher Geschosse geschaffen wird. […]

Erschließung – § 4 Absatz 1 Satz 1 HBauO
(geändert; Aufhebung der Begrenzung des gemeinsamen Zugangs auf 4 Grundstücke bzw. Hausgruppen bis 50 m)

Ein Grundstück darf nur bebaut werden, wenn es in ausreichender Breite von einem befahrbaren und nicht anbaufrei zu haltendem öffentlichen Weg aus unmittelbar oder durch Baulast gesichert über ein anderes Grundstück zugänglich ist.
Barrierefreiheit – § 52 Absatz 1 Satz 1 HBauO (geändert; Verteilung barrierefreier Wohnungen auf mehrere Geschosse möglich)

In Gebäuden mit mehr als vier Wohnungen müssen die Wohnungen eines Geschosses barrierefrei erreichbar sein; diese Verpflichtung kann auch durch barrierefrei erreichbare Wohnungen in entsprechendem Umfang in mehreren Geschossen erfüllt werden.

Baumschutz – § 61 Absatz 2 Satz 1 Nummer 2 HBauO
(geändert; Prüfumfang innerhalb des vereinfachten Baugenehmigungsverfahrens)

(2) Die Bauaufsichtsbehörde prüft…
2. die Einhaltung der Anforderungen der §§ 4, 6 und 10, des § 16 im Hinblick auf schädliche Bodenveränderungen oder Altlasten im Sinne von § 2 des Bundesbodenschutzgesetzes vom 17. März 1998 (BGBl. I S. 502), zuletzt geändert am 31. August 2015 (BGBl. I S. 1474, 1491), in der jeweils geltenden Fassung, der §§ 52 und 68 sowie der Baumschutzverordnung vom 17. September 1948 (Sammlung des bereinigten hamburgischen Landesrechts I 791-i), zuletzt geändert am 11. Mai 2010 (HmbGVBl. S. 350, 359), in der jeweils geltenden Fassung.

Bauproduktenrecht

Rechtsgrundlage: Bauproduktenverordnung (Verordnung (EU) 305/2011, BPVO)
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Regelungsgegenstand der BPVO: Festlegung harmonisierter Bedingungen für die Vermarktung von Bauprodukten

Ziel der Änderungen der HBauO: Herstellung der Übereinstimmung bauordnungsrechtlicher Regelungen mit den europarechtlichen Vorgaben der BPVO
Betroffene Vorschriften der HBauO: diverse Störfallbetriebe und schutzwürdige Nutzungen Rechtsgrundlage: Seveso III Richtlinie (2012/18/EU, Seveso III RL)
Link

Regelungsgegenstand der Seveso III RL: Beherrschung der Gefahren schwerer Unfälle mit gefährlichen Stoffen

Ziel der Änderungen der HBauO: Einführung einer Öffentlichkeitsbeteiligung in Baugenehmigungsverfahren für Bauvorhaben im Einzugsbereich von Störfallbetrieben
Betroffene Vorschriften: § 59 HBauO (Änderung) sowie Erlass einer Ausführungsverordnung zur Ausgestaltung der Öffentlichkeitsbeteiligung

Eberl-Pacan
Architekten + Ingenieure für Brandschutz
Fasanenstraße 44
10719 Berlin-Wilmersdorf
Tel. +49 30 700 800 930