Sind Sie manchmal traurig, Herr Eberl-Pacan?

Die Welt, wie sie ist, z. B. in Berlin und Brandenburg

Als das Feuer in der Wohnung ausbrach, hatten sich die Großeltern gerade hingelegt zu einem Mittagsschläfchen – wie jeden Sonntag – oder wie an einem Tag, wie jeder andere. Es sollte ihr letzter sein.

In dieser Wohnung sind sie alt geworden. Als junges Paar sind sie damals eingezogen. Hier wurden ihre Kinder geboren, hier haben sie diese großgezogen und hier haben ihre Enkel sie besucht. Hier haben sie Hochzeit, Geburtstage, Jubiläen gefeiert. Hier haben sie ihre verstorbenen Eltern, Verwandte und Bekannte betrauert.

In dieser Wohnung wollten sie gemeinsam weiterhin ihren Lebensabend verbringen …

Die Geschichte hat kein happy end. Im Alter von 74 Jahren sterben diese beiden Menschen am 1. Februar 2015 in ihrer Wohnung in Berlin-Schöneberg bei einem Brand.

Die Berliner Feuerwehr weist in ihrer Berichterstattung darauf hin, dass ein Rauchwarnmelder die Opfer hätten rechtzeitig warnen können.

Es geschieht selten, aber wenn ich mir diese Welt manchmal so anschaue, wie sie ist, macht mich das, was ich sehe, traurig.

Es sind nicht nur die gewaltigen Zerstörungen und die große Niedergeschlagenheit, die sich fern von uns abspielen und die wir schwer verhindern oder auch nur positiv beeinflussen können. Es ist das alltägliche unnötige Leid und Sterben, das sich unmittelbar in unserer Nähe abspielt und dem wir mit ein wenig Interesse und ein wenig Engagement in vielen Fällen Einhalt gebieten könnten.

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Jährlich sterben 28 bis 30 Menschen durch Rauch oder Feuer in Berlin. In Brandenburg dürften es ähnlich viele sein, doch dort führt man darüber noch nicht mal eine Statistik. Dieses fast alltägliche Sterben ist nicht spektakulär. Die Menschen in ihren Wohnungen in Berlin oder Brandenburg haben keine Lobby und die Gefährdung wird weder subjektiv von ihnen selbst noch objektiv von der Gesellschaft wahrgenommen.

Rauchwarnmelder retten Leben. In 13 Bundesländern sind sie – meist zumindest für Neubauten – Pflicht, nicht so in Berlin und Brandenburg.

„Es ist bekannt und unstrittig, dass durch Rauchwarnmelder in allen Wohnungen die Zahl der Toten und Verletzten bei Wohnungsbränden drastisch (um 50 %) reduziert werden kann.“ sagt Dipl.-Ing. (FH) Josef Mayr, Bauingenieur und Brandschutzsachverständiger, Gründer des Feuertrutz Verlages, Hauptautor des Brandschutzatlas und Referent für Brandschutzvorträge.

Am 7. Mai hätte er in Berlin seinen Vortrag Trügerische Sicherheit – Nicht gewarnt ist halb gestorben anlässlich des Berliner Rauchwarnmelder-Tags 2015 gehalten. Seine Botschaft: 28 bis 30 Menschen können jährlich in Berlin und Brandenburg durch Rauchwarnmelder gerettet werden.

Die Veranstaltung musste leider abgesagt werden, mangels Interesse z. B. von Wohnungsbaugesellschaften, Architekten, Brandschutzplanern oder anderen betroffenen Menschen. In Berlin und Brandenburg sterben ohne Rauchwarnmelder 2015 vermutlich wieder 28 bis 30 Menschen zuviel. Das macht mich traurig.

Weitere Informationen auf dieser Website:

von Dipl.-Ing. (FH) Josef Mayr
Bauingenieur und Brandschutzsachverständiger, Gründer des Feuertrutz Verlages, Hauptautor des Brandschutzatlas, Referent

Nicht gewarnt- ist halb gestorben – Teil 1
Nicht gewarnt- ist halb gestorben – Teil 2

Weitere Infos:

Zehn kleine Negerlein
Da waren es nur noch vier!
Brandmeldeanlagen
Zweckentfremdung von Wohnraum
Verhalten im Brandfall
Video: Verhalten im Brandfall

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Eberl-Pacan
Architekten + Ingenieure für Brandschutz
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Tel. +49 30 700 800 930