Wissen Sie nicht, dass Holz brennt, Herr Eberl-Pacan?

… oder woher kommt unser Engagement für Brandschutz im Holzbau?

“Als Brandschutzexperte müssten Sie doch die Brennbarkeit oder Nichtbrennbarkeit von Baustoffen unterscheiden können! Warum unterstützen Sie dann so engagiert die Verwendung von brennbarem Holz als Baustoff?”

Als ich anfing, Brandschutz für Holzbauten zu entwickeln wurde ich durchaus mit solchen Fragen konfrontiert. Natürlich brennt Holz. Wenn es das nicht tun würde, hätte der Mensch das Feuer vergeblich erfunden. Er wäre trotzdem in der Kälte der Eiszeit erbärmlich erfroren.

Holz ist seit Jahrtausenden ein wichtiger Energielieferant. Und ziemlich seit der gleichen Zeit ein wichtiger Baustoff. Immer wieder kam es jedoch zu kleinen und sogar zu großen Bränden. Risikofaktoren wie Kerzenbeleuchtung, offene Feuerstellen, geringe Gebäudeabstände, kaum funktionierende Feuerwehren oder mangelnde Löschwasserversorgung führten zu Brandkatastrophen, die ganze Städte zerstörten. Die Menschen in Mittelalter und Neuzeit haben damit gelebt, gearbeitet und gefeiert, doch nach wie vor sind sie in lebhafter Erinnerung.

Wir diskutieren daher nicht darüber, dass Holz brennt, aber Holz brennt langsam, spät und sicher.

Holz brennt langsam

Massive Stützen, dicke Bretter und selbst gepresste Zellulosefasern, wie wir sie beim Bauen verwenden, lassen sich nicht so einfach anzünden. Es braucht hohe Temperaturen und dauerhaftes Stützfeuer um massive Holzprofile in Brand zu setzen. Wer einen Kamin zuhause hat, kann ein Lied davon singen. Zum Anzünden reicht nicht allein ein Zündholz. Man braucht Papier und trockene Holzspäne, bevor die dicken Scheite nachgelegt werden können.

neue Zeile

Holz brennt spät

Wenn wir von Holz in Rettungswegen reden, müssen wir wissen, dass erst bei einer Temperatur von über 200° Celsius Gas aus dem Holz austritt, das mit Sauerstoff reagiert und unter Bildung von Kohlendioxid und Wasser verbrennt . D. h. erst dann entsteht Feuer und Rauch. Aber wer kann bei einer Temperatur von 200° C einen Rettungsweg noch sicher benutzen? Bei solchen Temperaturen sprechen wir nicht mehr von Personenschutz, sondern nur noch von Sachschutz.

Holz brennt sicher

Holz hilft sich im Brandfall selbst. Als intelligentes Material bildet es bei Feuer eine isolierende Kohleschicht, die isolierend wirkt, die Sauerstoffzufuhr ins Holzinnere vermindert und die Oxidation und damit das Feuer zum Erlöschen bringt.

Holz schützt sich selbst vor der völligen Zerstörung. Der Kern bleibt unbeschädigt und tragfähig. Massive Holzdecken und -träger schmelzen nicht, tropfen nicht brennend ab oder brechen nicht plötzlich ein. Im Brandfall können Einsatzkräfte die Tragfähigkeit von Holz gut abschätzen, was ihnen einen sicheren Löschangriff im Inneren des Gebäudes ermöglicht.

Die Holzdecke trug, das war die Rettung

Hellmut Seemann, der Präsident der Stiftung Weimarer Klassik, rekapituliert die Szenen, die sich während der Rettung abgespielt haben. Unten hatte man zuerst mit der Räumung begonnen und spät begriffen, dass das Feuer auf dem Dach ja die Bücher in der ersten Galerie weit eher bedrohte. Also hinauf! Rot glühte schon der Brand durch Löcher in der Decke, während darunter die Helfer rannten. Und immer die Angst vor dem Einsturz und der völligen Vernichtung. Doch die Decke hielt. Bei einem modernen Bau aus Stahlbeton wäre der Stahl nach zwei, drei Stunden geschmolzen und der Beton zerbröselt. Die einstigen Baumeister aber hatten eine sogenannte Mann-an-Mann-Decke eingezogen, eine überaus solide Holzbalkenkonstruktion. Diese Decke, sagt Seemann, hat uns gerettet.

NZZ vom 10.9.2004

Übeltäter: mobile Brandlast

Brandopfer sind in den allermeisten Fällen Rauchgasopfer. Sie ersticken im Rauch, der beim Brand der mobilen Brandlast entsteht: durch Möbel, Teppiche, Gardinen und anderer Einrichtungsgegenstände. Sie brennen frühzeitig und produzieren giftige Rauchgase; lange bevor die immobilen Brandlast, bestehend aus brennbaren Trag- oder Aussteifungskonstruktionen des Gebäudes, in Flammen gerät.

Diese Brandlasten sind überhaupt nur dann von Bedeutung, wenn sie:

  • im Brandfall dem Feuer zugänglich sind
  • den Brand der mobilen Brandlasten maßgeblich verstärken
  • in einem überdurchschnittlichen Verhältnis zur Gesamtbrandlast stehen.

Alarmieren und Löschen

Brände sind gefährlich, wenn sie sich mit hoher Brandlast und viel Sauerstoff ungebremst ausbreiten können. Dagegen muss etwas geschehen. Eine frühe Alarmierung sowie einfache und doch effektive Löschmaßnahmen durch Einsatzkräfte der Feuerwehr sind erforderlich um einem Großbrand vorzubeugen.

Die Möglichkeiten sind vielfältig: Die betroffenen Menschen müssen zügig gewarnt, die Feuerwehr unmittelbar gerufen und Löschwasser ausreichend und schnell zur Verfügung gestellt werden. Dann sind Gebäude aus Holz sicher, den Holz brennt sicher.


“Es gibt nichts Schwierigeres in die Hand zu nehmen, nichts Gefährlicheres durchzuführen, nichts Unsicheres in Bezug auf Erfolg, als die Einführung einer neuen Ordnung der Dinge, weil Innovation all diejenigen zum Feind hat, welche unter den alten Bedingungen erfolgreich waren und überzeugte Verteidiger unter denjenigen findet, welche unter den neuen Bedingungen erfolgreich sein können.”

Niccolò Machiavelli 1469-1527
italinischer Politiker, Schriftsteller und Geschichtsschreiber

“Die simple Erkenntnis, daß Holz brennbar ist, ist eben nicht alleine ausschlaggebend für die Bewertung eines Baustoffes im Brandfall.”

Kurt Klingsohr, Verfasser vieler Fachbücher über Brandschutz, 1982

Eberl-Pacan
Architekten + Ingenieure für Brandschutz
Fasanenstraße 44
10719 Berlin-Wilmersdorf
Tel. +49 30 700 800 930