Standpunkt und Ausblick – Brandschutz im Holzbau

Mehrgeschossiger Wohnungsbau in Berlin - Architekten Kladen&Klingbeil
Mehrgeschossiger Wohnungsbau in Berlin - Architekten Kladen&Klingbeil

Mehrgeschossiger Holzbau in Deutschland

Bauen mit Holz ist ein Thema an dem sich zeigt, wie einfach es sein kann, Ressourcen zu schonen, den Energiebedarf zu senken und insgesamt der drohenden Klimakatastrophe entgegenzuwirken, ohne irgendwelche Einbußen an Lebensqualität und Lebenskomfort, die uns sonst so gerne von unseren guten Absichten abschrecken.

Baustoffe aus Holz sind langlebig, schaffen die besten bauphysikalische Voraussetzungen für Wärmedämmung, Schallschutz, und Luftdichtheit und sind daher Spitzenreiter im Energiesparen. Holz bindet beim Wachstum CO2 und trägt so zur Reduzierung dieses Treibhausgases bei. Bei der Herstellung von Holzbaustoffen wird wenig Primärenergie verbraucht.

Soweit die Theorie: Holz, ein idealer Baustoff um die vollmundigen Erklärungen und Ankündigungen zur geplanten Rettung der Welt effektiv und schnell in die Tat umzusetzen, erlebt einen sprunghaften Anstieg im Baugeschehen. Zunehmend viele Menschen wohnen und arbeiten in gesunden, energieeffizienten und eleganten Gebäuden aus Holz auf dem Land und in den Innenstädten!

Weit gefehlt! Bauen mit Holz ist auch ein Beispiel dafür, wie schwer es ist, alte Gewohnheiten über Bord zu werfen und zu zukunftsfähige Lösungen durchzusetzen.

Der Anteil von Holzbauten am Gesamtbauvolumen ist nach wie vor gering. Für viele Bauträger, Bauherrn und Architekten gibt es nach wie vor beim Holzbau viele Unklarheiten und Unsicherheiten. Vorurteile, Unwissenheit, aber auch schwer nachvollziehbare Vorgaben in der Gesetzeslage und Schwierigkeiten bei deren Interpretation sind für viele Bauwillige ein Faktor, sich dem Holzbau mit Vorbehalten zu nähern.

Die Novellen der Landesbauordnungen, neue Richtlinien und Erkenntnisse aus Musterprojekten und Forschungsarbeiten haben zwar eine verbesserte Ausgangsbasis insbesondere für den mehrgeschossigen Holzbau geschaffen, aber noch dominieren starre Festlegungen an die Baustoffe und Bauteile aus den überkommenen Gesetzestexten.

In Punkte Brandschutz herrscht – entgegen den europaweiten Entwicklungen, die hier neue Wege aufzeigen – weiterhin der Glaube an die Segnungen der nicht brennbaren Baustoffe. Viele Fragen des Brandschutzes werden auf die Materialeigenschaften hinsichtlich Brennbarkeit und Nichtbrennbarkeit reduziert. Die Verwendung von Holz stellt eine Abweichung dar und das äquivalente Erreichen der geforderten Schutzziele ist mittels komplexer und aufwendiger Gutachten nachzuweisen.

Brandschutztechnische Aspekte

Es ist grundsätzlich sinnvoll und zielführend, brandschutztechnische Aspekte mit Fachplaneren bereits im Vorfeld bzw. in der Entwurfsphase auf ihre Umsetzbarkeit zu überprüfen und die Ergebnisse in Brandschutznachweisen festzuhalten. Jedoch fehlt vielfach auf Grund der unbefriedigenden Gesetzeslage bei Behörden und bei Architekten die erforderliche Planungs- und Genehmigungssicherheit.

Klassisch gliedert sich der Brandschutz in drei wesentliche Bereiche. Hier können in Anlehnung an bereits seit langem bestehende Richtlinien (etwa der Industriebaurichtlinie) Brandschutzkonzepte entwickelt werden, die alle drei Bereiche gleichermaßen ausgeglichen berücksichtigen.

1. Baulicher Brandschutz

Die Sicherheit von Bauteilen ist Grundvoraussetzung allen Brandschutzes. Im Gegensatz zu anlagentechnischen Maßnahmen ist hier bei ordnungsgemäßer Ausführung und Instandhaltung ein Versagen fast ausgeschlossen.
Eine exakte zeitliche Definierbarkeit der Feuerwiderstandfähigkeit von Bauteilen ist unverzichtbar für die Begrenzung der Brandausbreitung und die sichere Rettung und Evakuierung von Personen.

Die Bildung von Brandabschnitten in höheren Gebäuden vor allem in Innenstädten ist in den Landesbauordnungen nichtbrennbaren Baustoffen vorbehalten. Ein Sicherheitsdenken, das auf die verheerenden Stadtbrände des Mittelalters zurückgehen mag. Brandwände behindern seit ihrer Einführung in die Baugesetze meist erfolgreich und sicher die Ausbreitung von Bränden auf eine überschaubare Fläche.

Selbstverständlich darf dieses System auch im Holzbau nicht in Frage gestellt werden. Sogenannte Es gibt bereits Brandwandersatzwände für den Holzbau, die eine Feuerwiderstand von 60 Min bieten und die erforderliche Stoßenergie (3000 Nm) aufnehmen. Sie können bis Gebäudeklasse (GK) 4 eingesetzt werden. Durch Zustimmung im Einzelfall sind auch Brandwände in Massivholz mit brandschutztechnischer Bekleidung als Brandwand realisiert worden.

2. Rettungs- und Angriffswege

Sie dienen der Rettung und Evakuierung von Personen in Eigenrettung oder durch die Einsatzkräfte. Gleichzeitig bilden sie die wichtigsten Angriffswege für Löscharbeiten. Neueste Entwicklungen im Baurecht in unseren Nachbarländern zeigen, dass hier keine Kompromisse in Sachen baulicher Brandschutz möglich sind.

3. Anlagentechnischer Brandschutz

Vergangenen Jahrzehnten erhebliche neue Betrachtungsweisen. Neufassung von Richtlinien mehr Gewicht auf den anlagentechnischen Brandschutz gelegt und ihm mehr zugetraut eine Sicherheit redudant zu Verfügung stellen. Kombination von klar definierten Anforderungen an Anlagentechnik mit Erleichterungen beim Baulichen Brandschutz und sogar bei den Rettungswegen ermöglichen eine völlig neue Betrachtung des Brandschutzes.

„Paradigmenwechsel“ in der Architektur

Der Klimawandel gehört zu den größten Herausforderungen der Gegenwart. In der Architektur ist ein Umdenken erforderlich, damit sie ihrer Verantwortung für unsere Zunft gerecht wird.

Die Folgen des Klimawandels sind absehbar. Sie lassen sich detailliert in der „Weltkarte der Naturgefahren der Münchner Rückversicherung“ studieren.
In Ostdeutschland, im norddeutschen Tiefland und in Südostdeutschland werden sich die Menschen künftig auf mehr Trockenheit einstellen müssen. In den rechts- und linksrheinischen Mittelgebirgen ist dagegen mit höheren Niederschlägen zu rechnen. Das Flachland und die Küste werden häufiger von Hitzewellen, Hochwasserkatastrophen und orkanartigen Stürmen heimgesucht. Gletscherschmelze und auftauender Permafrost bedrohen die Alpenregionen mit mehr Lawinen, Steinschlägen, Muren und Überschwemmungen.

Architektur als Klimakiller

Politik und Gesellschaft dürfen nicht weiter ihre Augen vor diesen Herausforderungen verschießen. Wollen wir das Ziel des UN-Klimarats erreichen und die Treibhausgasemissionen bis 2050 um bis zu 80% zu senken, ist ein Umdenken unumgänglich. Architektur und Baukunst müssen einen Beitrag dazu leisten und Gebäude schaffen, die Energie einsparen, ohne unsere Lebensqualität zu gefährden.
Die Realität sieht jedoch anders aus:

• Architektur aus Beton und Stahl wird unter dicken Dämmschichten versteckt.

• Baustoffe verschwenden Energie in Gebäuden als „Graue Energie“.

• Wärmedämmung aus energiefressenden Kunststoffen steht für „Klima– und Umweltschutz“.

• Klimaschonende Modernisierung und Sanierung von Altbauten findet weitgehend ohne die Beteiligung von Architekten statt.

Ästhetik und Ökologie

Nur wenige Architekten gehen neue Wege hinsichtlich Ästhetik und Ökologie. Holz als Baustoff spielt dabei eine wichtige Rolle:

• Holz spart nicht nur Energie sondern speichert zusätzlich CO2.

• Holz steht für Energieeffizienz und Behaglichkeit.

• Als nachwachsender Baustoff ist Holz eine „Umweltschutzmaschine“.

Ihre Lösungsansätze bleiben jedoch meist singulär, es findet keine Vernetzung statt.

Holz ist ein Symbolträger für Nachhaltigkeit

„Holz ist ein Symbolträger für Nachhaltigkeit“, sagt Jürgen Koch, Architekt aus Düsseldorf, der auf Basis von Holz nachhaltige Gesamtkonzepte als „Green buildings“ – wie den REWE „Supermarkt der Zukunft“ in Berlin-Rudow – plant. „Mit Architektur werden Botschaften und Philosophien symbolisiert und transportiert. Holz ist eine Grundlage für Nachhaltigkeit. Holz ist ein Exportschlager, made in Germany.“

Neue Bautypen

Holz als wichtiger Baustoff verlangt nach einem neuen Typus von Architekt, der im engen Schulterschluss mit Ingenieuren Holzbauten als „hightech-buildings“ entwickeln kann. Neben der Verwendung Holz fordert der Einsatz neuer Technologien zur Energiegewinnung eine neue Ästhetik in der Architektur.

Diese Aufgaben der Architekten schaffen neue Bautypen. Sie entstehen aus Logik, Analyse und Forschung und beachten das Gebot der „Sparsamkeit“. Architektur und Baukunst stehen dann wieder für die Verbindung von Ästhetik, Ökologie und Funktion.

Eberl-Pacan
Architekten + Ingenieure für Brandschutz
Fasanenstraße 44
10719 Berlin-Wilmersdorf
Tel. +49 30 700 800 930