Laube mit Brandschutz

Doppelte Fluchtwege für Gärten in luftiger Höhe

Die Prinzessinnengärten wollen mit der geplanten Struktur zwei die bisherigen Nutzungen ergänzende Funktionen ermöglichen.

Zum einen dient die architektonische Struktur der Erforschung vertikaler und geschichteter Gartennutzungen. Diese Fragestellung bezieht sich auf die zeitgenössichen Anforderungen an urbane Gartenplanungen. Dazu benötigt der Garten eine vertikale, höhere Struktur (bis 13 m) mit unterschiedlichen Licht- und Klimabedingungen.

Daneben schafft die geplante Struktur zusätzliche, wetterunabhängige Raumangebote für temporäre Nutzungen wie öffentlich Gesprächsveranstaltungen, Filmvorführungen und Ausstellungen. Die Struktur ist nur vom Garten aus begehbar und an die Öffnungszeiten des Gartens gebunden.

neue Zeile

Aufgabenstellung

Gebäudeart und Gebäudenutzung

Bei dem zu begutachtenden Objekt handelt es sich um die Errichtung einer temporären Holzstruktur in den Prinzessinengärten. Die offene Holzstruktur dient der Erforschung vertikaler und geschichteter Gartennutzungen, sowie für temporäre Nutzungen wie Gesprächsveranstaltungen, Filmvorführungen und Ausstellungen.

Das Grundstück befindet sich am Moritzplatz, zwischen Oranien- und Prinzenstraße in Berlin – Kreuzberg und ist eingezäunt. Die offene Holzstruktur liegt dabei an der Prinzenstraße.

Baurechtliche Einstufung

Die rechtliche Grundlage für das vorliegende Brandschutzkonzept ist die Bauordnung für Berlin (BauO Bln ). Das Maß der Fußbodenoberkante der höchstgelegenen Plattform beträgt 6,84 m über der mittleren Geländeoberfläche. Die Brutto-Grundfläche ist kleiner als 400 m². Die Holzstruktur ist freistehend und besteht aus einer Nutzungseinheit. Das Gebäude ist somit gemäß § 2 (3) BauO Bln in die Gebäudeklasse 1 einzustufen. Ein Sonderbautatbestand gem. § 2 (4) BauO Bln liegt nicht vor.

Risikobetrachtung

In der folgenden Risikobetrachtung wird die vorliegende Planung der freistehenden temporären Holzstruktur und die Wünsche des Bauherrn bzw. der Architekten hinsichtlich unterschiedlicher Kriterien analysiert. Daraus ergeben sich Fragestellungen, die in der brandschutztechnischen Konzeption für die Holzstruktur beantwortet werden müssen.

Die Größe der Brandlast ist angesichts der Gartennutzung und temporären Nutzungen als normal einzustufen.

neue Zeile

Gegen die Gefahr der Brandausbreitung sind keine besonderen Vorkehrungen vorzusehen. Durch die gute Fluchtwegsituation ist im Brandfall immer mindestens ein baulicher Rettungsweg vorhanden, der genutzt werden kann. Somit ist eine schnelle Evakuierung der Holzstruktur möglich.

Aufgrund der freistehenden Struktur besteht nur eine geringe Gefahr des Brandüberschlags auf Nachbarbebauungen. Die Gefahr der Rauchausbreitung ist aufgrund der offenen Bauweise der Holzstruktur nicht vorhanden.

Die Flucht- und Rettungswege (erster und zweiter Rettungsweg) werden baulich hergestellt, da die Rettung über die Geräte der Feuerwehr aufgrund der Anzahl von anwesenden Personen ausgeschlossen ist. Die Rettungswege müssen unabhängig voneinander funktionieren. Es ist die Mindestbreite der Rettungswege (abhängig der Personenzahl) einzuhalten.

Hinsichtlich der Gefahr für die Brandbekämpfung ist eine uneingeschränkte Zugänglichkeit des Gebäudes für die Feuerwehr herzustellen. Die Angriffswege für die Feuerwehr müssen sicher und benutzbar sein. Die Löschwasserversorgung muss aufgrund der Lage vor Ort geprüft werden, ausreichend Löschwasser muss jederzeit uneingeschränkt verfügbar sein.

kein Text

neue Zeile

Brandschutztechnische Konzeption

Das Brandschutzkonzept beschreibt den Neubau in den Prinzessinengärten. Die freistehende Holzstruktur bildet eine eigene Nutzungseinheit mit weniger als 400 m² Brutto-Grundfläche. Sie besitzt keine Aufenthaltsräume und ist keine Arbeitsstätte. Die max. Fußbodenhöhe einer Plattform beträgt 6,84 m und es befinden sich weniger als 100 Personen gleichzeitig auf der Holzstruktur.

Die geplante Holzstruktur wird brandschutztechnisch analog einem Einfamilienhaus betrachtet. Durch den Neubau entstehen keine weiteren Gefahren.

Das Brandschutzkonzept basiert darauf alle anwesenden Personen im Brandfall schnell zu evakuieren, sodass keine Gefahr für Leben und Gesundheit besteht. Es stehen jederzeit zwei voneinander unabhängige bauliche Rettungswege zur Verfügung. Fällt ein Rettungsweg im Falle eines Brandes aus, können anwesende Personen über den zweiten baulichen Rettungsweg flüchten. Somit ist keine Anforderung an eine verlängerte Tragfähigkeit im Brandfall erforderlich.

Fazit

  • Die offene Holzstruktur wurde in eine Gebäudeklasse eingestuft, die keine Brandschutzanforderung enthält (GK 1 wie Einfamilienhaus).
  • Die Sicherheit von Personen und Rettungskräften bei der regulären Benutzung oder beim Löschangriff wurde durch doppelte bauliche Rettungswegführung sichergestellt.

Im Ergebnis war dadurch die gewünschte Erstellung der Holzstruktur mit einfachen, überschaubaren Mitteln durch Selbsthilfekräfte aus den Reihen der späteren Nutzer möglich.

PS

Das Brandschutzexperiment ist gelungen. Von den Nutzern wird die Holzstruktur liebevoll als “Laube” bezeichnet und die viele Besucher freuen sich über den schönen und sicheren Blick über die Gärten.

Eberl-Pacan
Architekten + Ingenieure für Brandschutz
Fasanenstraße 44
10719 Berlin-Wilmersdorf
Tel. +49 30 700 800 930