M I N T – ein Museum

(Originaltext des Erläuterungsberichts in alter Rechtschreibung)

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Ein Ort – viele Wege

zum nördlichen zentralen Bereich

- Der Hamburger Bahnhof:
Nach der Verlagerung des Exerzierplatzes vom nördlichen Tiergartenrand nach Moabit versuchten Karl Friedrich Schinkel und Joseph Peter Lenné eine städtebauliehe Neuordnung der Flächen zwischen dem Invalidenhaus, der Charité und der Straße nach Moabit.

Geplant war die Verbindung des alten Stadtzentrums mit den umliegenden Gebieten und die Einbeziehung der Spree als stadtgestalterisches Element. Geschaffen wurden Flächen für Exerzierplätze, für ein Zellengefängnis und für repräsentative Großbauten.

Die restlichen Planungen wurden von dem Bedarf der aufstrebenden Industriestadt nach zeitgemäßen Verkehrsanbindungen verhindert. Auf dem Gebiet nördlich der Spree entstanden stattdessen zwei bedeutende Fernbahnhöfe, der Hamburger und der Lehrter Bahnhof.

- Der Humboldthafen: An der Stelle der Mündung des Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanals in die Spree wurde mit dem zunehmenden Warentransport auf dem Wasser der Humboldthafen angelegt. Zusammen mit dem Hamburger Bahnhof bildet er städtebaulich und architektonisch wichtiges Ensemble.

Räume historischer Bedeutung:

- Der Tiergarten: Durch die Ausdehnung der Stadt Berlin über die alten Stadtgrenzen hinaus wurde er zur grünen Lunge der Großstadt, im Norden und Süden schlossen sich die vornehmsten Wohn- und Diplomatenviertel der Stadt an.

- Der Platz der Republik: Dieser große und historisch wichtige Schmuckplatz hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Hier konzentrierten sich die Ereignisse deutscher Geschichte zwischen Diktatur und Demokratie. Von der ehemaligen Randbebauung sind nur noch solitäre Reste vorhanden, die in den fünfziger Jahren durch einen weiteren Solitär – die Kongreßhalle – ergänzt wurden.

- Kernstadt – Bandstadt: „Eine Meile nach Berlin“ – Früher führten alle Straße radial auf die alte Residenzstadt zu, „Berliner Straße“ in Lietzow, in Köpenick, in Tegel. Die Stadt war Zentrum des Raums „Groß –Berlin“, überschüttete die umliegenden Dörfer und Städte mit ihren tristen Wohnungen und heiteren Straßen.

Dann kam die Konkurrenz des „Westens“, Kaufhaus des Westens, Theater des Westens, Kurfürstendamm. Nach der endgültigen Teilung von 1945 wurden aus den Konkurrenten selbstständige Zentren: West-Berlin, Ost-Berlin.

In den Wettbewerben für den Wiederaufbau gewannen die Vorstellungen von der neuen Metropole als Bandstadt entlang des Urstromtals der Spree mit orthogonalem Verkehrsnetz, mit einem Cityband am Rand des Tiergartens.

Konzepte räumlicher Ordnung:

- Vor dem Tor: „Das alte Berlin hat sich in Richtung Westen, Schale an Schale setzend bis an den heutigen Tiergarten und die großen Eisenbahngelände ausgedehnt. Vor die letzte Schale, der Friedrichsstadt, sind weit ausgreifend und scharf abgesetzt wie Vorposten die Torräume mit Toren gebaut: Pariser Platz – Brandenburger Tor, Leipziger Platz – Potsdamer Tor, Mehringplatz – Hallesches Tor, Robert-Koch­ Platz – Neues Tor.

Vor die Tore kamen Häuser, die in der Stadt keinen Platz hatten oder dort nicht erwünscht waren: Krankenhaus (Charité), Invalidenhaus und Museum für Naturkunde, Hamburger Bahnhof am Neuen Tor; zunächst Pulver-, dann Exerzierplatz, schließlich der Reichstag am Brandenburger Tor; Kasernen mit dem Übungsgelände am Potsdamer Tor.

Vor den Toren waren aber auch die Orte der Erholung und des Vergnügens: Konzert- und Tanzsäle, Kaffeestuben und ‘ Bäder vor dem Potsdamer Tor, die ‘Zelte’, Kroll-Oper vor dem Brandenburger Tor.” (Jahn, S. 33)

- Das Urstromtal: „Die Spree, in Stralau zwischen den Häusern der Stadt verschwindend, durchfließt hier mitten in der Stadt, gleich nachdem sie das alte Zentrum passiert hat, eine weite, heute nahezu unbebaute Niederung. Sie ist begrenzt von den Kanten Moabits, den Geländen der Charité, der Altstadt und dem Großen Tiergarten. Die Landschaft ist zur Stützung der Bedeutung des Ortes überformt (Nordbogen der Spree, Humboldthafen im Scheitel des Bogens).”

“Zu den Flächen im Süden des Spreebogens gelangt man von den nordöstlichen (Stadtmitte) und den nordwestlichen Stadtteilen (Moabit) über Dämme und Brücken, von denen man weit in die Landschaft und in die Stadt sehen kann. Dieser Raum im Spreebogen wird somit zum Drehpunkt und Schlüssel der Verbindung all er Teilbereiche.”
(Jahn, S. 35)

- Die Metropole: “ln Berlin, das aus so vielen Städten (=Stadtteilen) besteht, bestimmt dieser Großraum die Mitte der Stadt. Offene Räume sind in einer „Stadt aus Städten“, wie Berlin sie darstellt, die Voraussetzung der Orientierung. Sie bestimmen an dieser Stelle das Bild und die Gestalt der Stadt Berlin. Von hier aus ist Berlin zu sehen:

  • Vom Platz der Republik aus sieht man weit in den Stadtkörper der alten Stadt hinein,
  • von der Wilhelmstraße aus sieht man über die Ministergärten hinweg die Philharmonie,
  • von der Grenze Schönebergs aus – auf der Terrasse des Schöneberger Vorlandes stehend – sieht man Kreuzberg,
  • von der Erosionskante des Teltow sieht man über die Vorländer hinweg das alte Berlin,
  • von dem Vorposten Moabit über das Panketal hinweg sieht man den den Wedding hinein; sieht man die Dorotheenstadt, Berlin, Pankow.”
    (Jahn, S. 38)

„B-750 + x“:

„Die Geschichte braucht Platz. Geglückte staatliche Identifikation, nationale Emanzipationsprozesse, bewältigte historische Krisen, so etwas kann sich in positiven Markierungen einer Metropole niederschlagen.” (Hoffmann-Axthelm)

Die Stadt von morgen ist so Ausdruck von Ideen, Neurosen, Träumen, Ängsten, Hoffnungen von heute. Die Reserveflächen einer Stadt sind damit schnell und lange zugebaut, Planung bedeutet dann meist nur Abwehr dessen was wenige wollen statt Beförderungen dessen was viele wollen.

Zentraler Bereich – nördlicher Abschnitt:

- Das Gebiet: Jenseits der Spree, zwischen der Stadtkante Moabits auf der einen und der „Mauer“ auf der anderen Seite bis zur Brücke über den Fenngraben liegt der nördliche Abschnitt des Zentralen Bereiches, Zukunftserwartungsland.

Geprägt von Schleusen, Schienen und Straßen ist er ein Durchgangsort – von hier nach dort. Das Altersheim, die Jugendarrestanstalt, Containerbahnhof, Polizeikaserne, Leichenschauhaus, hier hält sich nichts und niemand lange auf. Daneben Einrichtungen für Bildung, für Sport, für Erholung und aus neuerer Zeit Wohnblöcke geschwungen wie Säbel auf dem Gelände der alten Artilleriekaserne.

- Die Chancen: Ein gering verdichteter Raum in Nähe des Zentrums kann Defizite ausgleichen, Funktionskomplexe entkrampfen, räumliche und sachliche Zusammenhange gliedern. Durch d1e Einbeziehung des nördlichen Abschnitts in die Planungen zum zentralen Bere1ch kann die historische Großzügigkeit in und um den Tiergarten gewahrt und fortgeschrieben werden – wenn die Utopien gebaut werden.

- Moabiter Werder: Zwischen den schwingenden Linien der S-Bahn und der Spree darf er als Brückenkopf des Tiergartens und als “Vorzimmer” Moabits nicht verbaut, der Blick aus dem fahrenden Zug über die Spree hinüber zur Kongreßhalle zum Reichstag, nicht verstellt werden. Gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Ufer soll er dem Vergnügen und der Erholung dienen – ein „Luna-Park“ zu den „Zelten“.

- Das Panketal: Links und rechts des Berlin-Spandauer-Schiffahrtskanals erstreckt sich das Tal der Panke. Nach Norden offen kann es die Stadtmitte über Verkehrsverbindungen, Fußgängerpromenaden und Sichtbeziehungen (Schering-Hochhäuser) an den Norden anknüpfen. Das Museum für Industrie, Naturwissenschaft und Technik und der dahinterliegende Museumspark dienen als Tor und Verknüpfungspunkt. Das Panketal bleibt als Industriepark mit niedriger Bebauung als Landschaftsraum erhalten, durchquert von Fußgängerwegen und -stegen, während der parallel verlaufende Streifen von Industrieverwaltungsgebäuden die topographische Kante nach Moabit betont.

- Die lnvalidenstraße: Quer zum Panketal liegt die historische Ausfallstraße aus der Stadt und fächert wie eine Kette Perlen, hohe, niedere, breite, schmale, tiefe, enge Solitäre auf, ohne sie festzubinden. Verdichten, auflösen, kreuz und quer, die Skyline der Ost-West-Begegnungszentren, die Diplomatenvillen, der S-Bahnhof, der Bahnhofsvorplatz, die lndustrieverwaltungs- und Hotelbauten und nicht zuletzt das Museum für Industrie, Naturwissenschaft und Technik; Hamburger Bahnhof und Humboldthaften spielen dieses „Metropolenspiel“.

- Das Ausstellungsgelände: Eröffnet durch den Kristallplatz liegt auf dem Gelände des ehemaligen Lehrter Fernbahnhofs, des früheren Ausstellungsparks und Marinepanoramas ein neuer großflächiger und flach überdachter Ausstellungspark.

Szenarien

M I N T – Museum für Industrie, Naturwissenschaft und Technik

Das Tor und Aushängeschild für das Industrie- und Gewerbegebiet im Norden (Container-Bahnhof, Schering, Ackerstraße), seine Form bezieht es von den Güterschuppen, den Schienen des Bahnhofs.

Der Bahnhofsplatz

Als Scharnier zwischen den verschiedenartigen Funktionen und Räumen vermittelt er den Ankommenden an sein Ziel, schafft aber durch seine Eigendynamik ebenso einen zentralen öffentlichen Ort des Interesses und der Irritation; eine Art verkehrsberuhigter Aktionsplatz, in Form einer Brücke auf dem Niveau der Invalidenstraße über das Panketal gelegt.

Die Nord-Süd-Achse

Vielfach gebrochen zeigt sie die verbliebenen Relikte der Planungen durch die Geschichte, die von Schinkel bis Speer diese Achse zum Inhalt, geradezu zum Rückgrat hatten.


Industrieverwaltungen

Ein vielfältiger Gebäudestreifen, von Süd nach Nord in Verlängerung des Ausstellungsparks am Rand des Panketals. Themen der Bebauung sind Schiene, Lagerschuppen, aber vielleicht auch die Notenzeilen einer Partitur, einer Symphonie für Schiffsirenen, für Fabriksirenen.

Der Kristallplatz

Er verknüpft die vom Platz der Republik kommende Straße mit den weiterführenden Schnellstraßen nach Norden und der Straße nach Moabit. Ein dichter Verkehrsplatz mit seinen Spitzen zum Lunapark, zum Ausstellungspark und in die Spree zeigend.

Das Zentrum für Demokratie und Diplomatie

Der Bau des Reichstagsgebäudes durch Wallot außerhalb der Stadtmitte war ein erster Schritt der Verlagerung der Zentrumsfunktion Legislative heraus aus dem preußisch-königlichen Stadtkern, die ersten Schritte auf der Suche nach der Bauform Demokratie. Das Zentrum für Demokratie und Diplomatie soll diese Entwicklung fortsetzen. Das Amphitheater etwa ist seit den Griechen einer der vornehmsten Ausdrucksformen für Demokratie.

Das Diplomatenviertel

Ein leichtes, weitspannendes und flaches Traggerüst, in das die Wohn- und Bürohäuser der Diplomaten eingehängt werden. ihr Thema ist Villa und Garten am Rand des Tiergartens.

Der vergessene Ort

Der südliche Brückenkopf der ehemaligen Alsenbrücke wird durch ein e Allee erschlossen die im Nichts endet. Von dort schweift der Blick in den Humboldthafen, unter der S-Bahn-Brücke ein Schiff, eine Insel, ein Ort der Sehnsucht.

Verkehrsplanung

- Situation: Im Gegensatz zum übrigen Zentralen Bereich ist im nördlichen Abschnitt die Bedeutung des durchgehenden Nord-Süd-Verkehrs sehr•hoch. Ortsbezogenes Verkehrsaufkommen und der Ost-West-Verkehr bedingt durch die Lage an der Mauer) fallen dagegen kaum ins Gewicht.

- Ziele:

  • Nutzung der Invalidenstraße als Erlebnisraum mit wenig Durchgangsfunktion
  • Offenhaltung einer Nord-Süd-Schnellverbindung solange der entsprechende Verkehr nicht mit anderen Mitteln oder an anderen Orten (Stadtmitte) abgewickelt werden kann.
  • Verkehrsanbindung der Straße Alt-Moabit in gleichwertige Form über einen Platz (Kristallplatz) – bessere Verkehrsverteilung, Erschließung der• Wohnviertel.
  • Auflösung des Washingtonplatzes zugunsten der Nord-Süd-Straße. Fußgängerverbindungen niveaugleich unter dem Kristallplatz am Spreeufer und über Stege zum Humboldthafen.
  • Der Ausstellungspark als Fluchtpunktdominate der Ausfallstraße vom Platz der Republik.
  • OPNV – Wiederaufnahme der S-Bahnverbindung Putlitzbrücke-Wedding evtl. mit Bahnhof Lehrter Straße.

M I N T – Ein Museum

„Staunen ist das Salz der Erde“ (Maurits Cornelis Escher)

Museen Orte der feierlichen, stillen Betrachtung in repräsentativen, herausgehobenen Gebäuden dem Geist mehr gewidmet als der Materie, dem beschauten Objekt mehr als dem schauenden Subjekt.

Ein Technik-Museum wird sich nicht befreien können von dem Vor-Urteil, dem Vor-Bild. Technik als Inhalt einer Inszenierung, die erschaudern, leichtgläubig macht, das Objekt der Kritik entrückt, Fragen abtötet statt sie zu beantworten. Ein Museum für Technik kann aber auch die Möglichkeiten des Mediums nutzen, die Neugier der Besucher, das Interesse der Forscher, der Industrie Wissen zu vermitteln, Werbung zu machen, kann die Errungenschaften der Museumspädagogik nutzen Technikaufklärung zu betreiben, den kritischen Blick auf ihre Auswüchse zu schärfen, aber ebenso Ängste aus Unwissen abzubauen.

Der Entwurf versucht diese Irritation, dieses gewagte Experiment. Ein offenes, freies, vielfältiges Gebäude das Neugier weckt durch Zeigen und Verstecken von außen, das die Technik vordergründig in den Exponaten, dahinter jedoch tiefere Schichten aufblättern läßt von naturwissenschaftlichen und mathematischen Grundlagen, von menschlichem Streben nach Wissen und Gewißheit.

Konstruktion und Material

Ausgehend vom mathematischen Grundelement des Koordinatensystems steht das Museum entlang und durchdrungen von einem dreidimensionalen Wegesystem, das “endlos” in den Außenraum fortgesetzt erscheint. Die Konstruktion des Gebäudetragwerks mit weit nach innen gestellten Stützen und auskragenden Dachträgern soll den Aspekt der konstruktiven Bautechnik weniger inszenieren als vielmehr gelassen aber perfekt einige Möglichkeiten dieses Bereichs zeigen: tragen , hängen, überbrücken, auskragen, spannen, stützen. Konstruktion und Proportion setzen sieh antithetisch mit der Baumasse des Hamburger Bahnhofs auseinander, solides Stehen wird zum leichten Hängen, die breite Steinfassade vor einer filigranen Halle antizipiert als schmal es hohes Stützengerüst vor kompakten Exponaten.

Der Wunsch nach Transparenz und die Idee der zunehmenden Entmaterialisierung der Technik legen Stahl und Glas als Baustoffe für das Gebäude nahe. Während der Baukörper selbst offen und weitgehend „fassadenlos“ ist, sind die Fußgängerstege überdacht, die Einbauten entweder Exponate mit eigener Klimahülle oder Ausstellungscontainer in Stahl-Glas-Konstruktion, auf den Boden gestellt in der unteren , an die Dachkonstruktion gehängt in der oberen Ebene. Ein unter der Dachebene fahrendes Kransystem kann einmal zum Transport der Ausstellungsgegenstände herangezogen werden, zum anderen aber auch Gondeln mit Ausstellungsbesuchern durch das Gebäude schweben lassen und so einen eigen Beitrag zur Wegführung im Museum leisten.

Organisation des Bauwerks

Das Gebäude schafft für jeden der sechs Ausstellungsabschnitte einen freien Innenraum von 40 mal 25 mal 27,5 Metern, der mit Exponaten und Ausstellungscontainern gefüllt werden kann. Die notwendigen Versorgungseinrichtungen und Verkehrswege sind zum überwiegenden Teil außerhalb dieses Raums angeordnet, so daß der Besucher auf seinem Weg durch das Museum das Gebäude einmal von innen, einmal von außen mit einem freien Blick auf die umgebende Stadt erleben kann. Als Satelliten angeordnet sind das Forum als Haupteingang, das Konferenzzentrum die Wechselausstellung und das Inventarium (Kindermuseum).

Der Altbau des Hamburger Bahnhofs nimmt, über einen Steg verbunden, den Ausstellungsbereich „Eisenbahn und Schienenverkehr“, ein “Haus der Industrie’‘, ein „Haus der Länder“, die Museumsverwaltung und -dokumentation, das Archiv sowie Werkstätten und Depots auf. Er soll dabei als wichtiges Denkmal der Architekturgeschichte der Eisenbahn soweit wie möglich in seiner ursprünglichen Form wiederhergestellt werden.

Kommunikation

Das Museum soll sowohl den interessierten Laien, den wissenschaftlich Geschulten als auch den spezialisierten Fachmann ansprechen. Während die Informationsvermittlung innerhalb des Museums weitgehend auf audiovisuellen Medien (Kopfhörer mit Induktionsschleifen, Videoschirme, Leuchttafeln) beruht sowie auf Eigenaktivität und Spieltrieb des Besuchers (Telespiele, Simulatoren, bewegliche Exponate) zielt, soll in den Servicebereichen (Mediathek, Katalog- und Bücherverkauf, Information, …) mit ausreichendem Personaleinsatz die Begegnung und Kommunikation von Mensch zu Mensch gewährleistet sein.

Die Ausstellung :

Das Museumsgebäude ist neutrale Hülle, „objektives“ Strukturgerüst des Forschens und der Wissenschaft, der physikalischen Funktion. Die Exponate der Ausstellung dagegen sind Beispiele für “subjektive” Themen der Wissenschaft und der Wissenschaftler.

Sie sollen sowohl die tatsächlichen Labors de r Forschung öffnen als auch die geistigen, die ideologischen, die philosophischen der subjektiven Herangehensweise. Im Verhältnis zum bereits bestehenden „Museum für Verkehr und Technik“ soll das neue Museum Ergänzung (Aufnahme von Ausstellungsbereichen, die dort keinen Platz finden können, keine Technikverwahranstalt sondern Beschäftigung mit den Hintergründen) aber auch Konkurrenz sein, eine Konkurrenz, die mithilft den Standard von Technikmuseen für ein mögliches Technologiezentrum Berlin nah an der aktuellen Entwicklung zu halten. Das im folgenden gegebene Ausstellungskonzept soll Beispiel sein und Anregung:

1. Weit – Umwelt Innenwelt

1.1. Geheimnisse des Lebens

1.1.1. Basis – natürliche Umwelt
Wind, Sonne, Regen – Das Wetter
Schützende Hülle – Die „Ökosphäre“
Ruin und Reserve – Der Umgang mit dem Wasser

1.1.2. Wirkung – die gestaltete Umwelt
Der Wald – Verlust der Balance
Landwirtschaft- zwischen Scholle und Industrie – Land-Schaft – Stadt-Schaft

1.1.3. Entwicklung – geheimnisvolle Programme
Zelle – Masse und Struktur
Zeichen einer Karriere – woher kommt der Mensch?
Reise durch den Körper – neue Entdeckungen der Medizin – Programme und Prozesse – Gentechnik – Biotechnik

1.2. Mensch – Maschine – Materie

1.2.1. Energien – Fragen an die Ressourcen – Erschließung und Verteilung – Realität & Utopie – Energiekonzepte von heute für morgen – Sackgassen und Kreisläufe – Energiestrategien im Gegensatz

1.2.2. Das Material – Wettbewerbe in der Anwendung – Garten der Teilchen – kleinste Bausteine – Vom Naturstein zum Kunststoff – Werkstoffe im Wandel – Design & Handhabung – Mode, Funktion, Verbrauch

1.2.3. Boden, Kapital, Arbeit – das Wagnis Industrie – Ökonomie als Naturwissenschaft – Kopfarbeit und Handarbeit – das Produkt , Ergebnis von Prozessen – Roboterzoo -. Intelligente Maschinen oder Maschinenintelligenz

2. Sterne, Steine und Planeten

2.1. Planet Erde

2.1.1. Der Ozean eine unwirtliche Umgebung – Entdeckung und Ausbeutung neuer Bodenschätze – Forschung im extremen Bereich des Lebens – Lebensraum von morgen

2.1.2. Die Erde eine lebende Maschine – Geschichte der Oberfläche – Tanz der Kontinente – Der Lebenslauf einer Insel – Der Fluß – Kulisse für ein Theater
Juwelen einer Schatzkammer – Biomasse, Botanik Boden

2.1.3. Die Atmosphäre – ein Klimapuzzle – Die Wettermaschine – das Luftmeer – … dann kam das Eis – Veränderungen des Klimas
Saurer Schnee, saurer Regen Einfluß des Menschen

2.2 Nachbarn im Weltraum

2.2.1. Feuerkugeln und Donnersteine – Unsere Brüder im Sonnensystem – Der Sternenhimmel im Kino – das Planetarium – Blicke in die Nacht – die Entdeckung der Planeten – Reise zwischen Riesen – Saturn und Jupiter

2.2.2. Fruchtbare Katastrophen – Entstehung des Weltalls – Explosion der Materie – der große Knall – Das Sonnenmeer – die glühende Lichtmaschine – Die Grenzen wachsen – Theater der Galaxien

2.2.3. Astrologie – Astronomie – alte und neue Bilder der Sterne – Mythos und Wissen im Wettstreit – Entwicklung von Wissenschaft – Leben und Arbeit auf engstem Raum – das „space-lab“ – Experimente und Spiele: space-mission, Flipper orbital, Schwerelosigkeit, eine kleine Reise ins All

3. Wellen und Teilchen – die Welt der Kommunikation

3.1. Sprache und Verständigung

3.1.1. Die Welt der Töne und Bilder – Ohren und Klänge- Hören im Raum, Schallreflektion – Filter der Wirklichkeit – Technik und Produkte der Fotographie – Bilder der Wissenschaft – Menagerie von Einsichten

3.1.2. Sehen und Verhalten – Erforschen des Sehens- die Reaktion des Auges – Gesten und Riten – Prozeduren der Begrüßung, der Knigge für ein Dinner – Das Deorama – Gerüche und Bilder im Geruchskino

3.1.3. Information und Manipulation – Informationsgewinnung und -verarbeitung – Theorie der Kommunikation – Medien von innen – Zeitung, Radio, Fernsehen – Ein Film – selbst gemacht (Labor)

3.2. Computer – der Alltag von morgen

3.2.1. Daten auf neuen Wegen – Computer und Vernetzung – Telephon – Telefax – Wege, Schleifen, Netze – Organisation der Datenübermittlung – Vom Posthorn zur Glasfaser – Geschichte der Datenträger

3.2.2. Die Menagerie der Zahlen – Dreidimensionale Vorschläge – Erstellung und Colorierung einer Graphik – „So tun als ob“ – Arten von Simulationen – Musik aus Zahlen – Chor der Synthesizer – Die Sprachen der Programmierer – die Struktur der Prozessoren

Das Raumprogramm:

Ausstellungsbereiche: 6 × 1 000 m² lichte Höhe 27.5 m

Wechselausstellung: 1 500 m²

Inventarium (Schule der Sinne für Kinder):

  • Aktionsraum hören: 100 m²
  • Aktionsraum sehen: 100 m²
  • Aktionsräume machen: 500 m²
  • Überdachter Spielhof: 500 m²
  • Lager, Verwaltung, Aufsicht, Ver-, Entsorgung: 300 m²

Mediathek: 1 500 m²

  • Katalogabteilung
  • Fernausleihe über Terminal
  • Kindermediathek
  • Spezialmediathek
  • Vorführraum
  • Aktualitätenraum

Haus der Industrie : 1 124 m²

Haus der Länder/Regionen: 1 124 m²

Wissenschaftliches Konferenzzentrum: 1 500 m²

  • Konferenzraum für 1 000 Personen – dreifach teilbar

Forum:

  • Information – Videosäule
  • Garderobe
  • Katalog- und Bücherverkauf
  • Ruhezone

    Serviceeinrichtungen:
  • Kinderautos Rollstühle Telephone
  • Übersetzungen
  • Station für Schwebebahn

Literatur- und Abbildungsverzeichnis:

  • Schneider Richard (Hg): Berlin, Landschaft einer Stadt, Berlin, 1977
  • Bragstad Jeremias et Zanknie lvan: Le Centre Pompidou, Paris 1983
  • Brawne Michael: Das neue Museum, Stuttgart, 1982
  • Architecture Institute for Urban Studies: lvan Leonidov, Catalogue 8, New York 1981
  • Senator für Stadtentwicklung und Umweltschutz: Die räumliche Ordnung des zentralen Bereiches, Berlin 1985. Darin: Jahn Edvard: Anlaß für neue Überlegungen zum zentralen Bereich (S. 24ff)
  • Weiser Jonathan: Planet Erde, München 1987
  • Beethoven: Symphonie No. 9 Op. 125 Eulenburgs kleine Orchester-Partitur-Ausgabe Leipzig.
Eberl-Pacan
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