Diplom 1987: M I N T – Ein Museum

M I N T – Museum für Industrie Naturwissenschaft und Technik

Die Recherche zur Veröffentlichung meiner Diplomarbeit unter „Frühe Projekte“ bedeutet einen spannenden und teilweise mühsamen Blick weit in die Vergangenheit. Viele Dokumente dazu sind in den über 20 Jahren verlorengegangen. Insbesondere die Pläne und das Modell sind derzeit nicht auffindbar. Ein Verlust der besonders schmerzt.

Die Welt hat sich sehr stark verändert seither, ganz besonders dort, wo ich den Standort für meine Diplomarbeit gewählt hatte: An der Berliner Mauer (1961 bis 1989).

Das Thema

Das Thema der Arbeit “M I N T – Museum für Industrie, Naturwissenschaft und Technik” enstand aus vielerlei Anregungen. Die wichtigsten waren die Kathedrale von Palma de Mallorca und die damals gerade neu eröffnete „Cité des Sciences et de l’Industrie“ des Architekten Adrien Fainsilber (Umbau der alten „Salle de Vente“ des Schlachthofs in ein Wissenschafts- und Technikmuseum verwandelt von 1980-1986) am „Parc de la Villette“ in Paris.

Immer wieder hatte ich in Projekten und Entwürfen versucht, die Grenzen der Architektur aufzulösen oder zumindest neu zu interpretieren. Fundamente, Fassaden, Dächer, sie begrenzen den Raum im positiven und im negativen Sinne. Die Kathedrale von Palma faszinierte mich, weil ihre Tragstruktur aus Wandscheiben besteht, die senkrecht stehen zur Fassade, die dahinter fast verschwindet.

Natürlich bieten diese Grenzen der Architektur auch Schutz für den eingeschlossenen Raum und machen ihn nutzbar, unabhängig von den Herausforderungen der Umwelt wie Kälte, Winde, Nässe Hitze.

Doch benötigen technische Exponate wie das Space Shuttle diesen Schutz? Sie wurden entwickelt um unvorstellbar größere Herausforderungen ihrer Umgebung auszuhalten.

Ein Museum für Industrie Naturwissenschaft und Technik sollte ohne Dach und Fassade auskommen. Nur für die Orte, die von Benutzern begangen werden – Erschließungsflure, Labore, Wechselausstellungen etc. – gibt es Hüllen. Die Erschließung konnte über Röhren oder Kabinenbahnen erfolgen, an die die Exponate und Ausstellungsräume durch „gangways“ – ähnlich wie bei Flugzeugen – angeschlossen werden.

Der Hamburger Bahnhof

Abgelegen lag der Hamburger Bahnhof damals unmittelbar an der Berliner Mauer. Das Empfangsgebäude, von 1846 bis 1847 nach den Plänen von deren Direktor Friedrich Neuhaus und Ferdinand Wilhelm Holz in spätklassizistischem Stil errichtet, war ungenutzt und schien dem Verfall preisgegeben.

Von 1906 bis 1944 wurde das Gebäude als “Königliches Bau- und Verkehrsmuseum“ später als “Verkehrs- und Baumuseum“ (auch Lokomotivenmuseum genannt) genutzt. Die Sammlung stellte damals schon den industriellen und technischen Fortschritt dar und bot den Beamten, Studierenden und Fachleuten Gelegenheit zum Lernen und zur Weiterbildung.

Der Hamburger Bahnhof 1850

Als eines der ältesten Bahnhofsgebäude Deutschlands und der einzige erhaltene Berliner Kopfbahnhof aus der Zeit des aufstrebenden Eisenbahnbetriebs boten sich Gelände und Gebäude des Hamburger Bahnhofs für ein Technikmuseum förmlich an.

Was ich damals nicht wusste: Parallel liefen bereits die Vorbereitungen des Berliner Senats in dem ehemaligen Bahnhof ein Museum für Gegenwartskunst einzurichten.

Eberl-Pacan
Architekten + Ingenieure für Brandschutz
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