Holzhäuser – Ein angenehmes Klima

Interview mit der Berliner Morgenpost (BMP)


BMP: Welches Holz eignet sich besonders zum Bau von Holzhäusern? Welches sollte man meiden?

Reinhard Eberl-Pacan: Wer schon einmal versucht hat, in einem offenen Kamin oder im Freien mit dicken Holzscheiten ein Feuer zu entzünden, weiß wie schwer es ist, Eichen- oder Buchenscheite in Brand zu bekommen. Kleine dünne Fichtenspäne fangen dagegen schnell Feuer. Der Fachmann würde sagen, Laubholz (Hartholz) ist „schwer-“, Nadelholz (Weichholz) dagegen „normal entflammbar“.

Baurechtlich gibt es diesen Unterschied jedoch nicht. Alles Holz wird als „normal entflammbar“ (auch „Baustoffklasse B2“ genannt) eingestuft.

BMP: Wodurch unterscheidet sich das Bauen mit Holz vom Massivhausbau?

Reinhard Eberl-Pacan: Bauen mit Holz bietet viele Vorteile hinsichtlich Umwelt- und Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung, Wohnkomfort und Behaglichkeit.

Während bei der Herstellung von „massiven“, künstlichen Baustoffen viel Energie verbraucht und damit Kohlendioxid erzeugt wird, bindet Holz beim Wachsen dieses Gas, das für den Treibhauseffekt und die stetige Erderwärmung verantwortlich gemacht wird.

Holz hat dabei eine wesentlich bessere Dämmwirkung als z. B. Beton oder Ziegelmauerwerk. Deshalb muss es nicht so dick in Wärmedämmung eingepackt werden, was wiederum „schlankere“ Konstruktionen wie Wände möglich macht. Dies kann zu mehr Wohnfläche und zu einem behaglicheren Wohngefühl beitragen.

Natürlich spielen auch die „warmen“ Holzoberflächen eine große Rolle für ein angenehmes komfortables Wohnen und Arbeiten. Im Stadtbild könnten Holzfassaden für einen angenehmen Kontrast zu den üblichen Stein- oder Putzfassaden sorgen.

BMP: Wie “brandbeständig” ist ein Holzhaus? Wie lang hält es einem Feuer stand?

Reinhard Eberl-Pacan: Bei der „Brandbeständigkeit“ von Baustoffen oder Bauteilen ist grundsätzlich zwischen dem Feuerwiderstand (Zeitdauer) und der Brennbarkeit (brennbar oder entflammbar/nicht brennbar) zu unterscheiden.
Der notwendige Feuerwiderstand, der für ein Haus – auch ein Holzhaus – erforderlich ist, hängt stark von dessen Höhe ab. Die Anforderungen an den Feuerwiderstand von niedrigen Gebäuden (z. B. Ein- und Mehrfamilienhäuser bis max. 3 Geschosse = 30 Minuten) kann auch von Holzkonstruktionen ohne größeren Aufwand erfüllt werden.

BMP: Gibt es Möglichkeiten das Holz “länger” vor Feuer zu schützen?

Reinhard Eberl-Pacan: Es gibt zwei übliche Möglichkeiten, Holz vor Feuer zu schützen.

Durch „Kapselung“ (Verkleidung der Holzbauteile, meist durch Gipskartonplatten) werden tragende Holzkonstruktionen vor einem schnellen Abbrand geschützt (ertüchtigt) und halten so dem Feuer wesentlich länger stand.

Durch Beschichtungen mit sogenannten „Dämmschichtbildnern“ kann eine zu schnelle Ausbreitung von Feuer auf Holzoberflächen verhindert werden. Derart beschichtete Holzoberflächen gelten dann als „schwer entflammbar“ (Baustoffklasse B1). Leider sind diese Anstriche derzeit nur für den Innenbereich verfügbar und können nicht an Holzfassaden angewendet werden.

BMP: Welche Anforderungen können durch diese Methoden erfüllt werden und welche nicht?

Reinhard Eberl-Pacan: Für höhere Gebäude können Holzkonstruktionen durch „Kapselung“ bis zu einer Feuerwiderstandsdauer von 60 Minuten ertüchtigt werden. Dieser Feuerwiderstand ist ausreichend für Gebäude bis max. 4 oder 5 Geschossen.

Holz könnte dann dem Feuer auch noch wesentlich länger Widerstand leisten, jedoch sind für die tragenden Konstruktionen höherer Gebäude nur „nicht brennbare“ Baustoffe zulässig. Holz kann in diesen Gebäuden für tragende Bauteile lediglich dann eingesetzt werden, wenn „Abweichungen“ von der Bauordnung erlaubt und durch andere Maßnahmen ausgeglichen werden.

Ähnliches gilt für Holzfassaden. Da „normal entflammbares“ Holz im Außenbereich derzeit weder durch Anstriche verbessert werden kann noch – gemäß Bauordnung – bei den Fassaden von Gebäuden mit mehr als 3 Geschossen eingesetzt werden darf, müssen auch hier Abweichungen genehmigt werden.

Damit es dabei nicht zu einer gefährlichen Ausbreitung des Feuers (z. B. aus dem Fenster eines brennenden Raumes) auf der Fassade kommt, muss die Brandsicherheit durch andere Maßnahmen (z. B. Brandsperren) hergestellt werden.

Hier der Pressetext:

Berliner Morgenpost 10. Dezember 2011

Von Anna Klar

“Das brennt ja wie Zunder” hört man häufig, wenn es um den Bau von Häusern aus Holz geht. Schließlich ist ein Haus eine Investition fürs Leben und soll auch möglichst lange stehen. Also baut der Häuslebauer meist auf Ziegel und Beton. Dass man aber auch mit Holz beständig und sicher bauen kann, meint Architekt und Brandschutzexperte Reinhard Eberl-Pacan.

“Wer schon mal versucht hat, in einem Kamin ein Feuer zu entzünden, weiß wie schwer es ist, Eichen- oder Buchenscheite in Brand zu bekommen. Kleine dünne Fichtenspäne fangen dagegen schnell Feuer. Der Fachmann würde sagen, Laubholz (Hartholz) ist schwer, Nadelholz (Weichholz) dagegen normal entflammbar”, erklärt der Experte.

Wer also ein Holzhaus bauen möchte, sollte auf Harthölzer setzen und kann sich “über weitere Vorteile hinsichtlich Umwelt- und Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung, Wohnkomfort und Behaglichkeit freuen”, listet der Fachmann die Gründe auf.

Bessere Dämmwirkung

“Denn während bei der Herstellung von massiven Baustoffen viel Energie verbraucht und damit Kohlendioxid erzeugt wird, bindet Holz beim Wachsen dieses Gas”, fügt er an und lobt “die wesentlich bessere Dämmwirkung als zum Beispiel bei Beton oder Ziegelmauerwerk”, was wiederum schlankere Konstruktionen möglich mache. “Im Stadtbild sorgen Holzfassaden für einen angenehmen Kontrast zu üblichen Stein- und Putzfassaden”, findet Reinhard Eberl-Pacan.

Ein gelungenes Beispiel für ein sicher gebautes Holzhaus ist das Haus von Marina und Uwe Schmidtmann aus Berlin-Mahlsdorf. Uwe Schmidtmann, ebenfalls Architekt, hat das Haus für sich und seine Familie vor gut zehn Jahren entworfen und dabei voll __“auf die Vorzüge von Holz gesetzt”, sagt er.

“Wenn man ein Holzhaus bautechnisch richtig plant, ist es sogar beständiger als Mauerwerk”, widerspricht Uwe Schmidtmann dem Vorurteil, ein Holzhaus würde nicht lange halten. “Das Image ist in Berlin und Brandenburg negativ. In Süddeutschland oder Österreich ist das anders. Dort werden sogar Holzhäuser für die öffentliche Hand gebaut, wie Feuerwachen oder Kirchen”, hebt er hervor und erklärt die Konstruktion seines Hauses: “Von außen besteht unser Haus aus naturgrauem Lärchenholz und Zinkdächern in Verbindung mit farbigen Fenstern. Die Konstruktion hat ein tragendes Holzskelett, das mit Lehmziegeln ausgemauert wurde. Die Außenwände wurden mit dreißig Zentimeter Zellulose gedämmt”. Darüber hinaus seien die Fenster dreifach verglast.
Das Haus werde mit einer raumweise regelbaren Lüftungsanlage mit Wärmetauscher betrieben, unterstützt durch eine Gasheizung und eine thermische Solaranlage. Zusätzliche Wärme spendet noch ein Kamin im Wohnzimmer.

Relativ kurze Bauzeit

“Die Lehmwände und der Holzboden sind nicht nur ökologisch nachhaltig, sondern sie sorgen auch für ein angenehmes Klima”, sagt Uwe Schmidtmann und seine Frau, Marina Schmidtmann, pflichtet ihm bei. “Wir haben in diesem Raum heute eine Luftfeuchtigkeit von 53 Prozent. Das ist sehr angenehm und die Luft wird auch im Winter nicht trocken”, stellt sie beim Blick auf das Hygrometer fest und schlussfolgert: “Seit wir in dem Haus leben, sind wir weniger erkältet.”

Marina Schmidtmann war von Anfang an von der Idee ihres Mannes begeistert, ein Holzhaus zu bauen. “Wir wollten ökologisch bauen”, betont sie. “Sollte das Haus mal abgerissen werden, sollten möglichst alle Stoffe, Holz, Lehm, Zellulose, abbaubar sein”, bemerkt sie und hebt außerdem das anregende Holzambiente hervor. “Ich mag Holz. Ich finde es sehr angenehm, auch als Möbel”, sagt sie.

Sorge, ihr Haus könnte im Falle eins Feuers schnell abbrennen, haben Uwe und Marina Schmidtmann nicht. “Holz kann brennen, es sollte nur gewährleistet werden, dass der Restquerschnitt im Brandfall nach dreißig Minuten noch tragfähig ist. Bei unserem Holzhaus sind die tragenden Teile zwei- oder dreiseitig bekleidet, teilweise mit Lehm, sodass die Gefahr eines Brandes eher minimal ist”, berichtet Architekt Schmidtmann.

“Lärchenholz hält darüber hinaus bis zu siebzig Jahre”, stellt er fest und liefert neben der Langlebigkeit einen weiteren Vorteil für den Bau mit Holz: “Die Bauzeit ist relativ kurz”, sagt er. So habe der Bau des Hauses lediglich sieben Monate gedauert. Der Grund ist einfach. “Anders als beim Massivbau hat man keine Trockenzeiten zu beachten”, erklärt Schmidtmann.

Lediglich die Kosten unterscheiden sich kaum von denen für ein Massivhaus. “Auch ein Holzhaus ist kein Haus von der Stange und sollte exakt geplant werden”, sagt der Bauexperte. “Von einem guten Architekten gibt es kein Objekt aus der Kiste. Es ist wichtig, persönliche Wünsche und familiäre Bedürfnisse in die Planung mit einzubeziehen.”

Für Patchwork-Familien

Aber baut ein Architekt anders, wenn er das Haus für sich und seine Familie baut? Uwe Schmidtmann überlegt und sagt: “Ja, denn man selbst weiß über die Prozesse des Bauens Bescheid. Man weiß aber auch, wie das eigene Leben abläuft, was wichtig ist, was sich verändert und kann das automatisch einplanen”, erklärt er. Viele Auftraggeber erzählen einem seine Wünsche hingegen erst nach und nach und oft habe man das Problem, das die Wünsche nicht mit dem Leben übereinstimmen. “Denn Häuser, auch Holzhäuser, sollten ein Leben lang halten und nicht nur für den Jetzt-Zeitpunkt geplant werden”, gibt Schmidtmann zu bedenken.

Für Patchwork-Familien biete sich ein Fertighaus in Holzbauweise an, wirbt auch der Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF) für das Produkt. Viele Menschen könnten unter einem Dach wohnen und dennoch jeder einzelne ausreichend Freiraum habe. “Holz-Fertighäuser bieten viel Raum für freie Planung und können individuell gestaltet werden. Auch im Nachhinein können die Räume leicht kind- oder altersgerecht umgebaut werden”, sagt Hauptgeschäftsführer Dirk-Uwe Klaas.

Eberl-Pacan
Architekten + Ingenieure für Brandschutz
Fasanenstraße 44
10719 Berlin-Wilmersdorf
Tel. +49 30 700 800 930