Ein guter Plan für die Holzfassade

Filipp Neuhardt (M.A. Architektur) schreibt in mikado über Holzfassaden

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Der Autor

Filipp Neuhardt, M.A. Architektur und Fachplaner für vorbeugenden Brandschutz (EIPOS) forscht derzeit an seiner Masterthese zum Thema „Holzbau und Brandschutz“.

In der Themareihe „Details im Griff“, veröffentlicht er für mikado, das Unternehmermagazin für Holzbau und Ausbau Beiträge zu grundsätzlichen Aufgabenstellungen und Lösungen im Holzbau.

In der Ausgabe 6.2014 schreibt er zu Holzfassaden: Ein guter Plan.

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Holzfassaden sind als normalentflammbar eingestuft. Bei Mehrgeschossern ist daher von Anfang an ein guter Plan nötig, um auch von außen Holz zeigen zu können.

Fassaden aus Holz bieten viele Vorzüge: Sie sorgen in verdichteten Innenstädten für einen sichtbaren Kontrast zu den üblichen Putz- und Steinfassaden. Ein angenehmes Wohnklima und die Schonung wertvoller Ressourcen sind weitere Vorteile, die für die Verwendung von Holz als Fassadenoberfläche sprechen.

Doch trotz dieser Vorzüge und vieler Versuche, die Genehmigung mehrgeschossiger Holzbauten zu erleichtern, sind Holzfassaden baurechtlich als normalentflammbar einzustufen. Das führt dazu, dass diese Art der Fassadenoberfläche bei höheren Gebäu- den (ab Gebäudeklasse 4) nicht eingesetzt werden darf, da die Musterbauordnung (MBO) in § 28 (3) fordert: „Oberflächen von Außenwänden sowie Außenwandbekleidungen müssen einschließlich der Dämmstoffe und Unterkonstruktionen schwerentflammbar sein.“

Weitere Hindernisse für den Holzbau stellen die Detailausbildung bei Brandwänden, die an Außenwände stoßen, und der erforderliche Nachweis des feuerhemmenden Raumabschlusses von nicht tragenden Außenwänden dar.

Abweichung vom Baurecht

Trotzdem ist die Verwendung von Holz an der Außenwand möglich, wenn Abweichungen vom Baurecht beantragt und genehmigt werden. Dazu ist es notwendig, geeignete bauliche Maßnahmen (Kompensationen) zu finden, die eine Brandausbreitung oder Brandweiterleitung verhindern und Schäden durch Feuer vermeiden. Außerdem müssen die Genehmigungsbehörden zufriedengestellt werden.

Die Gefahr der Brandausbreitung über die Fassade besteht hauptsächlich bei einem Brand innerhalb des Gebäudes, der durch ein geborstenes Fenster nach außen schlägt. Über die Fassadenoberfläche oder über den Kamineffekt einer Hinterlüftungsebene kann er sich nach oben ausbreiten und weitere Geschosse gefährden. Dabei steigt das Risiko der Brandweiterleitung von einschaligen über belüftete zu hinterlüfteten Fassadensystemen (zum Beispiel Doppelfassaden) an.

Geeignete Mittel zur Kompensation

Um diese Gefahren zu minimieren bzw. zu vermeiden, gibt es eine Reihe geeigneter Maßnahmen, mit denen die brandschutztechnischen Schutzziele der Bauordnung trotz Abweichung eingehalten werden.

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Oberfläche mit Brandschürzen

Die MBO besagt in § 28 (1), dass Außenwände und Außenwandteile wie Brüstungen und Schürzen so auszubilden sind, dass eine Brandausbreitung auf und in diesen Bauteilen ausreichend lang begrenzt ist. Um dieser Anforderung gerecht zu werden, können Brandschürzen (zum Beispiel Blech mit einer Stärke >1 mm) eingesetzt werden, die mindestens 15 mm über die Oberfläche hinausragen. Brandversuche haben gezeigt, dass es sinnvoll ist, bei Gebäuden mit mehr als zwei Obergeschossen in jedem Geschoss solche Brandsperren vorzusehen, um einer geschossübergreifenden Brandausbreitung vorzubeugen. Flammen können in einem Brandfall weit über ein Geschoss hinausschlagen und Personen in den Geschossen darüber gefährden.

Je nach architektonischem Entwurf können vertikale und horizontale Brandsperren eingesetzt und variable Fassadengestaltungen ermöglicht werden. Ein Brand bleibt im Wesentlichen innerhalb eines eingegrenzten Bereiches.

Hinterlüftung mit Verblockung

Viele Fassadenkonstruktionen werden hinterlüftet ausgeführt. Sie bestehen aus mehreren Schichten: Fassadenbekleidung, Hinterlüftungsebene, Dämmung, Unterkonstruktion und tragendes Bauteil. Neben ihren guten physikalischen Eigenschaften (zum Beispiel bei der Wärmedämmung) bieten sie einen hohen Grad an Gestaltungsmöglichkeiten.

Vorsicht vor Kamineffekt

Bei der Auswahl der äußersten Schicht sind kaum Grenzen gesetzt, allerdings ist die Hinterlüftungsebene brandschutztechnisch genauer zu betrachten, da dort durch die Luftzirkulation hinter der Außenhaut ein sog. Kamineffekt entsteht. Das bedeutet, dass im Brandfall Flammen und heiße Brandgase ungehindert aufsteigen und in anderen Gebäudeteilen Schaden anrichten können. So kann aus einem Entstehungsbrand – von außen nicht sichtbar – schnell ein Vollbrand werden, der dann von der Feuerwehr nur noch schwer in den Griff zu bekommen ist. In § 28 (4) der MBO steht deshalb, dass „bei Außenwandkonstruktionen mit geschossübergreifenden Hohl- oder Lufträumen wie Doppelfassaden und hinterlüfteten Außenwandbekleidungen … gegen die Brandausbreitung besondere Vorkehrungen zu treffen“ sind.

Eine mögliche Maßnahme ist dabei die Absperrung (Verblockung) der Hinterlüftungsebene. Sie dient der Begrenzung der Brandausbreitung im Luftraum der Hinterlüftung über eine ausreichend lange Zeit durch Unterbrechung oder Reduzierung des freien Querschnitts. Dadurch wird eine Brandweiterleitung zu darüber liegenden Geschossen behindert.

mikado Ausgabe 6.2014
Eberl-Pacan
Architekten + Ingenieure für Brandschutz
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