Was ist bei mehrgeschossigen Holzhäusern zu beachten?

Das Tragwerk

Tragkonstruktionen aus Holz können die Forderung der Bauordnungen für höhere Gebäude nach „nichtbrennbaren Baustoffen“ (Baustoffklasse A) für tragende und aussteifende Bauteile grundsätzlich nicht erreichen. Selbst wenn sie eine Feuerwiderstandsdauer von 90 Minuten (F90) erreichen, werden sie damit nicht als „feuerbeständig“ eingestuft.

Gebäude, deren Höhe eine „feuerbeständige“ Tragkonstruktion erfordert (Gebäudeklasse 5; in der Regel >4 Geschosse), können daher nur abweichend vom Baurecht genehmigt werden. Für die Zulassung dieser „Abweichungen“ sind ein durchdachtes Brandschutzkonzept und sinnvolle Kompensationen (alternative Maßnahmen zum Brandschutz, z. B. Rauchmelder) erforderlich.

Gebäude deren Höhe lediglich eine „hochfeuerhemmende“ Tragkonstruktion (Gebäudeklasse 4; in der Regel bis 4 Geschosse mit Standardwohnungen) erfordert, können tragende und aussteifende Bauteile aus Holz durch nichtbrennbare Verkleidungen „gekapselt“ werden. Ein aufwendiges Verfahren, das Sicherheit und Erfahrung im Umgang mit Detailplanung und Ausführung verlangt.

Reiulf Ramstad Architects, der Fagerborg Kindergarten in Oslo Foto: Architekten
Reiulf Ramstad Architects, der Fagerborg Kindergarten in Oslo Foto: Architekten

kein Text

Die Holzfassade

Holzfassaden erfordern bei höheren Gebäuden (ab Gebäudeklasse 4; in der Regel ab 4 Geschossen) Verkleidungen, die „schwer entflammbar“ (Baustoffklasse B1) sind. Im Gegensatz zu vielen Wärmedämmverbundsystemen, selbst solchen mit überwiegendem Kunststoffanteil (Polystyrol), gilt Holz baurechtlich als „normal entflammbar“ (Baustoffklasse B2) und darf damit als Verkleidung für solche Fassaden nicht eingesetzt werden.

Die Verwendung von Holz ist wieder nur durch die Beantragung und Zulassung von „Abweichungen“ vom Baurecht möglich. Brandschutzkonzepte können alternative Lösungen aufzeigen, die Holzfassaden mindestens genauso sicher machen, wie Fassaden mit Wärmedämmverbundsystemen.

neue Zeile

Holzrahmenkonstruktion bei Feuerprobe souverän

Exakt 33 Minuten wurde am 30. 01. 2013 in der Linzer Brandverhütungsstelle eine 4×4,5 Meter große Holz- Rahmenkonstruktion im größten Vertikalprüfofen Europas befeuert. Rund 3.500 Kubikmeter Gas wurden verbrannt. Dabei entstehen Temperaturen von etwa 850 Grad Celsius. Das Ergebnis war selbst für Experten überraschend: Souverän hielt die Konstruktion dem Härtetest stand. Sogar bei vermeintlichen Schwachstellen gab es für die Flammen noch kein Durchkommen. Mehr dazu auf proholz Oberösterreich.

Architektur Holzbau und Brandschutz

Blogger
Eberl-Pacan
Architekten + Ingenieure für Brandschutz
Fasanenstraße 44
10719 Berlin-Wilmersdorf
Tel. +49 30 700 800 930
Sie finden uns auch auf Facebook: