Deutschland, deine Großprojekte Teil 1 – Fortsetzung folgt

Aus Träumen geboren – zu Alpträumen geworden

Der Traum vom Fliegen, die Liebe zur Musik, die Lust zu bequemen Reisen oder der Wunsch nach einem neuen großen deutschen Kaiser, aus diesen Motiven werden sie gezeugt und geboren; die Großprojekte.

Teil 2

Ein Flughafen in Schönefeld bei Berlin, eine Philharmonie im Hamburger Hafen, ein Bahnhof in Stuttgart und demnächst ein Schloss in Berlins Mitte:

Die großen Projekte für das 21. Jahrhundert stoßen an ihre Grenzen. Begleitet von Protesten, Pleiten Pech und Pannen verschlingen sie Milliarden Steuergelder in Planung und Ausführung. Milliarden, die von jenen aufgebracht werden müssen, die draußen vor der Tür hilflos, machtlos und frustriert ihre Wut zur Schau tragen.

Politische Macht und die Ohnmacht des Volkes

Großprojekte werden in der Demokratie auf merkwürdigen Umwegen von der Politik beschossen, selten wird „dēmos“, das Volk, wirklich mitgenommen.

Ein Regierender Bürgermeister, ein Ministerpräsident, einzelne oder Gruppen von Phantasten mit Beziehungen, (Alexander Gérard und Jana Marko in Hamburg, Wilhelm von Boddien in Berlin), ein Großkonzern wollen sich mit Ruhm und edlem „Architekturlorbeer“ bekränzen.

Die Entscheidungen sind meist geprägt von Lügen und Täuschung, von Absurditäten und Fehleinschätzungen. Zahlenkolonnen marschieren herbei um die Sinnleere zu bemänteln. Die Fachleute und Experten spalten sich in Pro und Contra.

Die Arroganz der Planer und die Wut der Bürger

Von Gerkan, Marg und Partner, Herzog & de Meuron, Ingenhoven Architekten, seit vielen Jahren schmücken sich Großstädte nicht nur in der Bundesrepublik mit ihren Kultur- und Verkehrsbauten.

Ihre großen, schlagkräftigen Teams von Architekten und Ingenieure sind technisch versiert und verfügen über umfangreiche Erfahrung im Umgang mit Großprojekten.

Trotzdem gelingen ihre Projekte immer seltener, Kosten und Termine laufen immer mehr aus dem Ruder.

Inkompetenz und Frust bei der Umsetzung

Ein Großprojekt besteht aus einer Vielzahl von Kleinprojekten. Genehmigungen müssen beschafft, Vorschriften eingehalten, Hindernisse aus dem Weg geräumt, Betroffene überzeugt werden.

Doch ums Detail kümmert sich keiner. Jeder glaubt an den „Sachzwang“, die schiere Übermacht der „großen Entscheider“, der Politiker, der Manager.

Bei den Betroffenen häuft sich Frust an, der sich zunehmend in Protesten, Bürgerinitiativen, Verbandsklagen und Volksbegehren entlädt. Der „Wutbürger“ wehrt sich, mit jedem kleinen Erfolg deutlicher und heftiger.

Betrug und Verzweiflung bei den Kosten

Großprojekte müssen dem Steuerzahler „verkauft“ werden. Dazu werden die tatsächlichen Projektkosten zu Beginn geschönt und verschleiert. Die Politiker bestimmen einen politischen Preis, die Experten widersprechen nicht.

Der eiskalte Betrug ist inzwischen die Regel. Per Salamitaktik werden die steigenden Kosten unter Krokodilstränen und heftigem Bedauern mit unumgänglichen Sachzwängen begründet.

Die Beispiele sind Legion.

Flughafen Berlin-Brandenburg

Beim neuen Berliner Flughafen musste nicht nur die Eröffnung auf März 2013 verschoben werden, gleichzeitig explodieren die Kosten.

2007 wurde mit 630 Millionen Euro für das Gesamtprojekt kalkuliert. Dann gab es ein Angebot eines privaten Konsortiums, den kompletten Flughafen für 1 Milliarde Euro zu erstellen.

„Viel zu teuer“, wetterten Wowereit & Co.: „Das können wir besser!“ Jetzt wird die 3-Milliarden-Euro-Kosten-Grenze deutlich durchbrochen.

zum Problem-BER

Hamburger Hafen

Bei der Elbphilharmonie gingen Politiker und Förderer in den ersten Planungen 2005 von 77 Millionen Euro aus. Derzeit werden die Gesamtkosten mit über 500 Millionen Euro veranschlagt.

Stand 21. August 2012

Nach dem derzeitigen Stand der Dinge wird das Konzerthaus frühestens im Sommer 2015. Die Kosten für den Steuerzahler liegen derzeit bei mindestens 323.000.000 Euro.

Stand 15. Dezember 2012

Die Stadt Hamburg will die Elbphilharmonie gemeinsam mit Hochtief zu Ende zu bauen. Das komplette Gebäude mit Hotel und Parkhaus kostet nun 575.000.000 Euro, die Fertigstellung ist für Herbst 2016 geplant.

Stand 19. Juni 2013

Am 19.06.2013 billigte Hamburgs Bürgerschaft den Weiterbau eines der umstrittensten Steuergeldergräber Deutschlands – die Elbphilharmonie. Die Kosten sind nunmehr von 77 auf 789 Millionen Euro gestiegen. Vermutlicher Fertigstellungstermin: irgendwann 2017.

Schlechte Aussichten

Hier wird schon von Kosten von 1.000.000.000 Euro spekuliert.

Stand 13. Januar 2015

News Herzog & de Meuron’s severely delayed concert hall for the Hamburg Elbphilharmonie finally has an opening date set for 2017, but its price tag is now more than 10 times the original estimate.

The city government has confirmed that Elbphilharmonie Hamburg will open its doors on 11 January 2017, 10 years after construction first began to convert the former warehouse beside Hamburg’s Elbe river.

Herzog & Meuron’s design was originally projected to cost just €77 million (£60 million). According to the Hamburg Senate, the expected final price has now rocketed up to €789 million (£617 million), although a portion of that will be covered by investors.

neue Zeile

Stuttgart

Auf Basis des Preis- und Planungsstandes von 1998 wurden Gesamtkosten von 2,6 Milliarden Euro ermittelt.

Derzeit wird mit ca. 4,3 Milliarden Euro gerechnet, es waren aber auch schon Gesamtkosten von 4,9 Milliarden Euro im Gespräch.

Die Schwaben sind sparsam.

12. Dezember 2012

Nach einer Neukalkulation der Bahn wird das Projekt Stuttgart 21 um mindestens 1,1 Milliarden Euro teurer und liegt damit bei Gesamtkosten von 5,6 Milliarden Euro. Die Bahn rechnet dabei auch einen “Risiko-Puffer” von 930 Millionen Euro ein. Weitere Kostenrisiken beziffert die Bahn auf 1,2 Milliarden Euro. Das Land geht deshalb von einer Verteuerung von insgesamt 2,3 Milliarden Euro aus und spricht folglich von offiziellen Gesamtkosten von bis zu 6,8 Milliarden Euro. Allerdings haben das Land und die Stadt Stuttgart die Ausführungen der Bahn als im Detail nicht nachvollziehbar bezeichnet und eine genauere Kostenanalyse gefordert. (Quelle: SWR)

Berliner Stadtschloss

Jedem Fachmann ist klar, dass ein barocker Stadtschlossnachbau mit 150.000 m² Geschossfläche nicht für 600 Millionen Euro gebaut werden kann.

Die Chancen stehen gut, dass dafür am Ende 2,5 bis 3 Milliarden Euro hinzublättern sind – aus Steuergeldern.

22. Juni 2012

Baubeginn mit Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU), Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), Schloss-Förderer Wilhelm von Boddien und dem Architekten Franco Stella.

Kostenstand: 590.000.000 Euro.

Terminstand: Eröffnung Mitte 2019. Bis Frühjahr 2013 sollen die komplexen Fundamentarbeiten für das Großprojekt abgeschlossen sein. Die offizielle Grundsteinlegung für den Wiederaufbau ist für Mai 2013 avisiert. Ende 2013, Anfang 2014 soll dann bereits der Neubau “sichtbar aus der Erde wachsen”, wie der Leiter der Stiftung Berliner Schloss, Manfred Rettig, sagte: “Hier ist alles im Lot.”

12. Januar 2015

Humboldt-Forum Es ist das wichtigste Kulturprojekt in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschlands, so hat Wolfgang Thierse den Bau des Berliner Stadtschlosses und des Humboldtforums beschrieben. Wer genau hinschaut, merkt: das Schloss wächst rasant. Die Betonwände stehen bereits, und nirgendwo ist zu hören: die Eröffnung verschiebt sich. Quelle: Inforadio rbb

13. Januar 2016

Manfred Rettig gibt seinen Rücktritt als Vorstandssprecher der Stiftung zum Aufbau des Berliner Schlosses bekannt. Jetzt mehren sich Sorgen um die Zukunft des Vorzeigeprojekts.

Eberl-Pacan
Architekten + Ingenieure für Brandschutz
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