Alle reden vom “Brandschutz im Schulbau”

… und das ist gut so! Wir tun das schon lange.

Endlich wieder ein Wettbewerb, freute ich mich!

Rund 13 Jahre nachdem ich als Architekt bis etwa zum Jahr 2000 an Wettbewerben teilgenommen und 1997 sogar einen Preis gewonnen hatte, fragten Minka Kersten und Andreas Kopp bei uns an, ob wir sie mit unserer Brandschutz-Expertise unterstützen würden. Es ginge um einen Wettbewerb für den Waldorf-Campus , ein Gebäudeensemble mit Kindergarten, Waldorfschule und Fachschule für Sozialpädagogik für junge Erwachsene sowie Sporthalle in Berlin-Schöneberg,

Natürlich waren wir mit dabei! Schon die ersten Skizzen der Architekten zum Wettbewerb weckten unsere Begeisterung.

Offenheit und Transparenz prägten den Entwurf. Sie sollten für bessere Kommunikation und für ein weitgehend selbstorganisiertes Miteinander in dem Schul-Campus sorgen. Für einen sicheren Brandschutz mit standardisierten Brandabschnitten und konventionellen Fluchtwegen war das eine sportliche Herausforderung. Die übliche Vielzahl baulicher Trennungen mit Brandschutzanforderung oder unnütze Flure als Rettungswege waren hier tabu.

Preisgekrönter Entwurf von Kersten Kopp Architekten

Für den 2013 preisgekrönten Entwurf zum Wettbewerb entwickelten wir deshalb ein damals völlig neues Konzept, das den Brandschutz in dem Gebäudeensemble sicherstellen sollte.

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Nicht nur, dass wir gemeinsam mit den Architekten Kersten und Kopp voll auf den Holzbau setzten, wir sagten auch einer vielbeklagten „Brandschutzeinrichtung“ in Schulen den Kampf an: den sogenannten „notwendigen Fluren“.

Gesichterte Bereiche für sichere Rettungswege

Unser Brandschutzkonzept basiert dagegen auf einem System „gesicherter Bereiche“, die auch ohne „notwendige“ Flure ausreichend Flucht- und Rettungswege haben; entweder in einen Treppenraum oder in einen anderen „gesicherten Bereich“. Für Kinder und Pädagogen schafft dieses Konzept viele kreative Freiräume in den Erschließungs- und Kommunikationsbereichen, die in Schulen mit modernen offenen Unterrichtskonzepten besonders wichtig sind; ohne die Sicherheit oder den Brandschutz zu gefährden.

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Das Wachstum der Cluster

Das Konzept wurde 2016 von der Obersten Bauaufsicht Berlin – quadratisch praktisch gut – als “Cluster-Schulen” in die Entscheidungshilfen eingearbeitet. Seither sind solche Brandschutzkonzepte quasi Allgemeingut und werden von vielen Kollegen gerne übernommen.

Basierend auf den Anforderungen der Pädagogen und mit dem Ziel, maximale Offenheit und Transparenz für eine bessere Kommunikation und ein selbstorganisiertes Miteinander zu schaffen, werden immer größere “Cluster” oder “Compartments” als einzelne Brandabschnitte diskutiert und zugelassen.

Die Zahlen reichen dabei in 200 m² Schritten bis zu 800 m² pro Brandabschnitt (zum Vergleich: Büro- und Verwaltungsbauten dürfen max. 400 m² Brandabschnitte ohne notwendige Flure aufweisen).

Bei der bekannten Abneigung der Berliner Schulbaubehörden gegenüber anlagentechnischen Einrichtungen wie Brandmeldeanlagen (BMA), stellen solche Größenordnungen von Brandabschnitten in jedem Fall eine Herausforderung dar.

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In Theorie und Praxis beschäftigten wir uns weiter intensiv mit dem Thema und wollten es auch praktisch voranzubringen.

4. Berliner Brandschutz-Fachgeschpräch

Eine wichtige Gelegenheit dazu bot das 4. Berliner Brandschutz-Fachgespräch im September 2014. Architekten, Brandschutzexperten und Nutzer von Bildungseinrichtungen diskutierten die Vor- und Nachteile verschiedener brandschutztechnischer Beurteilungen. Dabei wurden schutzzielorientierte Lösungen für innovative Kita-Projekte und nutzerfreundliche Schulen ebenso vorgestellt wie Konzepte, die denkmalgeschützten Bestandsschulen gerecht werden können.

Holzbau war Trumpf

Eine zentrale Rolle spielten dabei Holzbauweisen, die behagliche Räumlichkeiten schaffen und zudem alle sicherheitstechnischen Anforderungen erfüllen.

Dann traf ich auf Anna Popelka und Georg Poduschka vom Wiener Architekturbüro PPAG architects ztgmbh.

Zuerst ging es um eines jener typischen Berliner Großprojekte, die als Tiger losspringen, aber noch nicht einmal als Stubenkätzchen landen. Als “Trostpreis” durften wir gemeinsam ein Wohnbauprojekt in Berlin-Tiergarten stemmen.

Gemeinsam für die Neue Schule

Doch wir entdeckten bald eine andere Gemeinsamkeit. Anna und Georg brachten eine Menge Planungskompetenz im Schulbau aus Österreich und aus Finnland mit nach Berlin. Projekte wie der Bildungscampus Sonnwendviertel in Wien, der 2014 entstand, oder die Kristallin-Rotationale Raumstruktur, die im finnischen Sauland, drei Autostunden westlich von Oslo realisiert wurde, sprechen im Schulbau eine völlig neue Sprache.

Muster ohne Wert

Die “Muster-Schulbau-Richtlinie” von 2009, die besondere Anforderungen oder Erleichterungen für Schulbauten regeln soll, hat ausgedient. Ausgerechnet jetzt, wo viele Schulen gebraucht werden, sind flexiblere Regelungen und erweiterte Handlungsspielräume erforderlich.

Eine brauchbare Überarbeitung ist durch die verschiedenen Wege, die in einzelnen Bundesländern hinsichtlich dieses Themas eingeschlagen werden, mehr als in Frage gestellt. Konsequent wäre, die Richtlinie abzuschaffen und auf die Erfahrung und das Können der – wie unten beschrieben – aus- und weitergebildeten Fachplaner für Brandschutz zu vertrauen.

Zusammen wollten und wollen wir in der Berliner Schullandschaft neue Maßstäbe für erwachsenen- und kindgerechte Lehr- und Lernräume setzen; abseits aller starren und hindernden Regeln durch eigenes Nachdenken und Gestalten.

Neue Anforderungen an die Schule

Die neuen pädagogischen und gesellschaftlichen Anforderungen an die Schulen – Ganztagsschule, Schule als Stadt, Inklusion oder der digitale Wandel – müssen in besser funktionierenden Gebäuden umgesetzt werden können.

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Nach dem erfolgreichen Beitrag der Architekten zum Realisierungswettbewerb für die ersten beiden Schulen, die die HOWOGE im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive an der Allee der Kosmonauten in Berlin-Lichtenberg errichten wird – er versetzte vor allem Lehrer und Schüler in Begeisterungsstürme – geht es nun an die Planung und Realisierung.

Klug gestaffeltes Ensemble in Holz

PPAG entwickelten für die Bildungseinrichtungen in Lichtenberg ein klug gestaffeltes Ensemble in Holzbauweise mit kleinteilig gegliederten Lernhäusern auf Grundlage des Cluster-Konzepts – statt der sonst in Berlin üblichen streng geordneten kubischen Baukörper.

Die herkömmliche Klassenraum-Flur-Schule wird abgelöst von einer Vielzahl einzelner architektonischer und pädagogischer Einheiten (meist “Compartments” genannt). Sie fassen wiederum mehrere Klassenräume, Lehrerzimmer sowie flexibel nutzbare Räumen zusammen und gruppieren sich um offene Foren. Dieses Anordnung erzeugt neue, vielfältige Arbeits- und Lernformen.

Sensible Reduktion im Brandschutz

Begleitet werden diese architektonischen und pädagogischen Vorgaben von einem ausgewogenen Brandschutzkonzept, das geplante Bauteile wie Trennwände oder Stürze zur Bildung von Brand- bzw. Rauchabschnitten oder zur Sicherung innerer Rettungsflächen heranzieht. Durch die sensible Reduktion und die Einbeziehung aller fixen Elemente des transparenten Raums werden die Interessen der Nutzer und der wirtschaftlichen Träger mit den Belangen der Sicherheit in Einklang gebracht.

Grundlage hierfür kann nur eine intensive Beschäftigung und Fortbildung zum Thema “Brandschutz im Schulbau” bilden. Schulbaumessen und Ausbildungsinstitute im Brandschutz bieten hierzu ausgezeichnete Möglichkeiten.

Brandschutz in denkmalgeschützten Schulen

Daneben setzen sich viele aktuelle Publikationen im Brandschutz mit diesem Thema auseinander, ein Beispiel ist das FeuerTrutz Dossier: Brandschutz in Bildungseinrichtungen in dem auch unser Beitrag “Herausforderungen im Bestand: Brandschutz in denkmalgeschützten Schulen” zu finden ist.

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Eberl-Pacan
Architekten + Ingenieure für Brandschutz
Brunnenstraße 156
10115 Berlin-Mitte
Tel. +49 30 700 800 930