Was halten Sie von “viel hilft viel” im Brandschutz, Herr Eberl-Pacan?

Die Geschichte von David und Goliat

Eine der spannendsten Geschichten in der Bibel ist sicher jene, die vom Kampf der Philister gegen die Männer Israels berichtet. Zwei sehr ungleiche Protagonisten spielen darin die Hauptrollen: Goliat aus Gat und David, der Sohn eines Efratiters namens Isai aus Betlehem in Juda. Goliat war sechs Ellen und eine Spanne (ungefähr zwei Meter) groß, David dagegen wohl eher klein und schmächtig.

Den Ausgang der Geschichte kennen Sie alle. Der starke aber ungelenke Goliat muss sich dem smarten und beweglichen David geschlagen geben. Trotzdem ist es ‒ vor allem wenn es um Sicherheit geht ‒ oft schwer, mit smarten Lösungen zu überzeugen. Sie können zwar flexibel alle Bedürfnisse erfüllen, haben aber oft nur geringe Chancen gegen mächtige und althergebrachte Gewohnheiten.

Sicher begeistert das Ergebnis der Auseinandersetzung jeden von Davids Effektivität und von seinen Fähigkeiten. Wenn es aber um vorausblickende Fragen der Sicherheit, z.B. des Brandschutzes, geht, wirkt ein Riese wie Goliat für viele einfach überzeugender. Das unreflektierte Prinzip „viel hilft viel“ ist weit verbreitet. Es wird nicht gerne hinterfragt, schon gar nicht zu Gunsten eines dahergelaufenen Hänflings, der seinem König Saul gegenüber große Sprüche klopft.

Manche smarte Idee wird daher geringgeschätzt. Sie kommt nicht polternd und laut daher, sondern leicht und leise. Vielleicht wird sie nicht sofort mit Skepsis betrachtet, oft aber auf Dauer. Sie fällt dem Generalverdacht zum Opfer, dass alles Leichte und Einfache zu kurz greifen muss. In Sachen Sicherheit könne alles Hilfreiche und Nützliche nur ausreichend Wirkung zeigen, wenn es groß sei und sogar ein wenig weh tue. Ergebnisse sind ja kaum oder erst auf sehr sehr lange Sicht messbar. Leider verfügt nicht jede smarte Planung und Herangehensweise über Davids Schleuder, die sofort vorzeigbare Resultate liefert.

kein Text

neue Zeile

Nehmen wir als Beispiel die Automobilindustrie. Sie war nicht immer so veränderungsresistent wie sie heute angesichts der vielen Skandale um Diesel & Co. wirkt. Erst wurde versucht, Autos durch dicke Panzerung und lange Knautschzonen sicherer zu machen. 1959 erfand dann der schwedische Volvo-Ingenieur Nils Ivar Bohlin den Dreipunkt-Sicherheitsgurt, der in Deutschland 1981 durch den ersten Airbag ergänzt wurde. Geniale, unauffällige Sicherheitseinrichtungen ohne lästiges Störpotential, die in den Jahren 1990 bis 2005 die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland um mehr als die Hälfte reduzierten.

Deshalb arbeiten auch wir in der Brandschutzplanung und bei der brandschutztechnischen Bau- und Objektüberwachung immer wieder und unverzagt an smarten Lösungen. Oft ist weniger mehr! Das fängt schon beim Denken an: Lieber einfach denken, als kompliziert und um vier Ecken herum. In Vorträgen stelle ich mich manchmal vor „als derjenige, der Sachverhalte einfach erklärt, die Sie [die Zuhörer] kompliziert auch schon verstanden haben.“

David und Goliat - Tizian 1490 bis 1576
David und Goliat - Tizian 1490 bis 1576

Einfaches Denken führt zu einfachen Argumentationsketten. Sie müssen nicht schlicht, aber eingängig sein, um von allen verstanden zu werden. Nachvollziehbarkeit und Verständnis erleichtert auch die Kommunikation ‒ und an der happert es bekanntlich am meisten bei Vorhaben und Projekten die zum Scheitern verurteilt sind.

Wenn Sie also in Zukunft wieder einmal die Wahl haben zwischen David und Goliat, lassen Sie sich nicht nur vom der schieren Größe und Kraft des Muskelprotzes blenden, sondern wenden Sie Ihr Interesse auch dem winzigen aber klugen Drei-Käse-Hoch-David zu. Wenn Ihne seine Argumente nachvollziehen und selbst vertreten können, werden sie auch von anderen verstanden und gewürdigt. Sie brauchen nicht die Masse und Schwerfälligkeit eines Ungetüms und gehen am Ende als Sieger hervor.


Auszüge aus David und Goliat:

1 Die Philister zogen ihre Truppen zum Kampf zusammen. Sie versammelten sich bei Socho, das zu Juda gehört, und schlugen zwischen Socho und Aseka in Efes-Dammim ihr Lager auf.

2 Auch Saul und die Männer Israels sammelten sich; sie schlugen ihr Lager im Terebinthental auf und traten zum Kampf gegen die Philister an.

3 Die Philister standen an dem Berg auf der einen Seite, die Israeliten an dem Berg auf der anderen Seite; zwischen ihnen lag das Tal.

4 Da trat aus dem Lager der Philister ein Vorkämpfer namens Goliat aus Gat hervor. Er war sechs Ellen und eine Spanne groß.

5 Auf seinem Kopf hatte er einen Helm aus Bronze und er trug einen Schuppenpanzer aus Bronze, der fünftausend Schekel wog.

6 Er hatte bronzene Schienen an den Beinen und zwischen seinen Schultern hing ein Sichelschwert aus Bronze.

7 Der Schaft seines Speeres war wie ein Weberbaum und die eiserne Speerspitze wog sechshundert Schekel. Sein Schildträger ging vor ihm her.

12 David war der Sohn eines Efratiters namens Isai aus Betlehem in Juda, der acht Söhne hatte. Zur Zeit Sauls war Isai bereits alt und betagt.

13 Die drei ältesten Söhne Isais waren zusammen mit Saul in den Krieg gezogen. Seine drei Söhne, die mit in den Krieg gezogen waren, hießen Eliab – er war der Erstgebore ne – , der zweite Abinadab, der dritte Schima.

14 David aber war der Jüngste. Die drei Ältesten waren Saul gefolgt.

neue Zeile

32 David sagte zu Saul: Niemand soll wegen des Philisters den Mut sinken lassen. Dein Knecht wird hingehen und mit diesem Philister kämpfen.

33 Saul erwiderte ihm: Du kannst nicht zu diesem Philister hingehen, um mit ihm zu kämpfen; du bist zu jung, er aber ist ein Krieger seit seiner Jugend.

34 David sagte zu Saul: Dein Knecht hat für seinen Vater die Schafe gehütet. Wenn ein Löwe oder ein Bär kam und ein Lamm aus der Herde wegschleppte,

35 lief ich hinter ihm her, schlug auf ihn ein und riss das Tier aus seinem Maul. Und wenn er sich dann gegen mich aufrichtete, packte ich ihn an der Mähne und schlug ihn tot.

36 Dein Knecht hat den Löwen und den Bären erschlagen und diesem unbeschnittenen Philister soll es genauso ergehen wie ihnen, weil er die Schlachtreihen des lebendigen Gottes verhöhnt hat.

37 Und David sagte weiter: Der HERR, der mich aus der Gewalt des Löwen und des Bären gerettet hat, wird mich auch aus der Gewalt dieses Philisters retten. Da antwortete Saul David: Geh, der HERR sei mit dir.

41 Der Philister kam immer näher an David heran; sein Schildträger schritt vor ihm her.

42 Als der Philister aufblickte und David sah, verachtete er ihn, denn er war jung, rötlich und von schöner Gestalt.

43 Der Philister sagte zu David: Bin ich denn ein Hund, dass du mit einem Stock zu mir kommst? Und er verfluchte David bei seinen Göttern.

44 Er rief David zu: Komm nur her zu mir, ich werde dein Fleisch den Vögeln des Himmels und den wilden Tieren geben.

45 David antwortete dem Philister: Du kommst zu mir mit Schwert, Speer und Sichelschwert, ich aber komme zu dir im Namen des HERRN der Heerscharen, des Gottes der Schlachtreihen Israels, den du verhöhnt hast.

46 Heute wird dich der HERR mir ausliefern. Ich werde dich erschlagen und dir den Kopf abhauen. Die Leichen des Heeres der Philister werde ich noch heute den Vögeln des Himmels und den wilden Tieren geben. Alle Welt soll erkennen, dass Israel einen Gott hat.

47 Auch alle, die hier versammelt sind, sollen erkennen, dass der HERR nicht durch Schwert und Speer Rettung verschafft; denn es ist ein Krieg des HERRN und er wird euch in unsere Hand geben.

48 Als der Philister weiter vorrückte und immer näher an David herankam, lief auch David schnell auf die Schlachtreihe zu, dem Philister entgegen.

49 Er griff in seine Hirtentasche, nahm einen Stein heraus, schleuderte ihn ab und traf den Philister an der Stirn. Der Stein drang in die Stirn ein und der Philister fiel mit dem Gesicht zu Boden.

50 So besiegte David den Philister mit einer Schleuder und einem Stein; er traf den Philister und tötete ihn, ohne ein Schwert in der Hand zu haben.

51 Dann lief David hin und trat neben den Philister. Er ergriff sein Schwert, zog es aus der Scheide, tötete ihn und schlug ihm den Kopf ab. Als die Philister sahen, dass ihr starker Mann tot war, flohen sie.

Eberl-Pacan
Architekten + Ingenieure für Brandschutz
Fasanenstraße 44
10719 Berlin-Wilmersdorf
Tel. +49 30 700 800 930