Die Geschichte von Brennbar und Nichtbrennbar

Weihnachtsgeschichte 2017

Es war einmal ein Vater, der hatte zwei Söhne.

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Der eine war strebsam und fleißig, stets war er umsichtig und überlegt. Seine Worte und Taten waren voller Planung und Vorausschau. Nie ging er eine Gefahr oder gar ein Risiko ein.

Sein Name war Nichtbrennbar und er erfreute stets das Herz seines Vaters mit Gaben und Geschenken, die zu dessen Schutz und Sicherheit gereichen sollten.

Der andere aber war ein rechter Wildfang*. Immer hatte er Unsinn und Unfug im Kopf. Dauernd verletzte er sich bei seinem wilden Treiben und blutete aus Knien und Ellenbogen. Es war eine rechte Plage mit ihm, den keiner war vor ihm und seinem Schabernack sicher. Jeden Unfall und jedes Missgeschick zog er förmlich an und alle Warnungen schlug er in den Wind.

Seine Eltern hatten ihm den Namen Brennbar gegeben, doch seine Launen und Scherze verstörten seinen Vater. Seine Mutter weinte aber oft bittere Tränen, wenn sie an die Zukunft dieses wilden Kindes dachte.

Eines Tages, als Brennbar wieder einmal den ganzen Hof und das Gesinde mit seinem Schalk verstimmt und verärgert hatte, sagte sein Vater zu ihm: „Sohn, du passt so gar nicht hierher. Deine Streiche hemmen die Knechte und Mägde bei ihrer Arbeit. Sogar das Vieh gibt verdorbene Milch und zähes Fleisch, wenn du es reizt mit deinem Gebaren. Deine Mutter weint Nacht für Nacht um dich und ihre Sorgen wollen nicht enden. Schau, ich habe einen anderen Sohn. Er ist brav und sittsam und er wird einst Haus und Hof übernehmen und in meinem Sinne weiterführen. Dir aber gebe ich dein Erbteil, dass du hinausgehen kannst in die weite Welt, wo du vielleicht einen besseren Verstand und mehr Einsicht gewinnen wirst. Gehe hin in Frieden.“

So schnürte Brennbar sein Säckchen, nahm seine Sachen und den Beutel mit Geld und zog hinaus in die weite Welt, um Sinn und Verstand zu erlernen

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Nichtbrennbar aber führte hinfort den Hof und die Geschäfte seines Vaters. Alles wollte ihm gut und klug gelingen. Erst verbannte er alle Fackeln und Kerzen aus Haus und Ställen, weil er sie als fortwährende Quelle für Feuer und Gefahr erkannte. Auch wenn es fortan dunkel war auf dem Hof nach Sonnenuntergang und nachts mancher über Stock oder Stein stolperte oder den rechten Weg nicht mehr finden wollte, so sah sein Vater es an als wohlgetan und lobte ihn für seinen Eifer.

Dann nahm sich Nichtbrennbar die Feuer vor, die in Herd und Kamin lustig vor sich hin loderten und Stuben und Speisen erwärmten. Zwar war das Klagen groß beim Gesinde, wenn sie in frostigen Gemäuern ihre kalten Suppen schlürfen mussten, doch kein Brand entstand und die Gefahr der Feuersbrunst schien gebannt, so ehrte der Vater auch dieses Tun und fand es wohlgelungen.

Schließlich fiel Nichtbrennbar über alle Bretter und Latten her, verbot Holz und Stroh, Federn und Heu auf seinem Hof. Die Leute mussten auf harten Steinen sitzen, auf eisern Dielen liegen und sich mit Glas, Kies und Sand zudecken. Das Vieh hungerte im Winter und die Zäune rosteten vor sich hin, denn sie waren aus blankem Eisen. Der Unmut auf dem Hofe wuchs, doch war alles gänzlich abgesichert und nichts konnte einem Feuer Nahrung bieten. So gefiel dem Vater auch dieses Walten seines Sohnes und beruhigt streckte er sich auf seinem harten steinigen Bette.

Brennbar dagegen zog gar lustig durch die Lande, verprasste sein Geld hier und da, die Leute da draußen aber hatten Spaß an seinem wilden Spiel und seinen Scherzen. Überall war er gern geseh‘n und hoch geschätzt.

Eines Tages aber kam eine Hungersnot über das Land und die Menschen hatten viele Nöte und Sorgen. Keiner wollte mehr lachen, scherzen und spielen und keiner gab Brennbar eine Krumme ab von seinem Brot oder einen Löffel von seiner Suppe.

So war auch Brennbar bald hungrig und traurig. Er suchte Arbeit und Brot, doch jeder wies ihm Tor und Tür und keiner wollte ihm in seiner Not helfen. Die Menschen verhöhnten ihn und verlachten sein Bangen und seine Not. „Arbeite in der Zeit, dann hast du in der Not“, riefen sie ihm entgegen und „Wer im Sommer spielt, der kann im Winter tanzen!“

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Brennbar kam schließlich zu einem Schmied, der ihm Arbeit geben wollte. Jeden Tag musste er die schweren Eisenstangen in glühende Kohlen halten, um Hufeisen aus ihnen zu formen. Die Arbeit war ihm gar zuwider, die Glut stiebte, Funken flogen um seine Ohren und versengten ihm gar oft die Haare. Seine Finger brannten trotz seiner dicken Handschuhen aus Asbest und das Feuer stach in seine Augen.

Zum Abschied und Lohn gab ihm schließlich der Schmied ein Hemd aus Ketten und als Brennbar hinaustrat in die Kälte des Winters, ward ihm gewahr, dass es ihn so gar nicht wärmen wollte gegen Wind und Schnee. Zitternd legte er es ab und war so hungrig und so kalt als wie zuvor.

Er verdingte sich dann bei einem Steinmetz, der Ziegel und Blöcke haute aus Stein. Auch wenn ihn die Arbeit noch mehr verdross, so zeigte er doch Eifer und Fleiß. Tag für Tag schlug er mit schwerem Hammer Keile in den Stein bis er gebrochen war und in die ausgelegten Formen passte. Brocken von scharfem Gneis flogen oft an seine Stirn, Blut lief über sein Aug und Kies knirschte auf seinen Zähnen.

Nachdem Brennbar aber doch weiterziehen wollte, wünschte ihm der Meister viel Glück auf seinem Weg und gab ihm als Lohn einen schön gewirkten Stein, zierlich geschliffen gar und funkelnd wie ein Diamant. Doch so schön der Stein auch war, er machte Brennbar trauriger als zuvor, denn er konnte seinen Hunger nicht stillen und seinen Körper nicht erwärmen.

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Da erinnerte sich Brennbar an seinen Vater und er dachte bei sich: „Jeder Tagelöhner auf dem Hofe meines Vaters hat mehr zu Essen als ich. Ich will hingehen, mich vor meinem Vater niederwerfen und ihn um die geringste Arbeit bitten. Dort will ich arbeiten als Schäfer, will Wolle von den Schafen scheren, dass daraus Kleider gewebt werden können, die die Menschen wärmen. Oder ich will als Schnitter schneiden das Korn, dass daraus kann werden Korn gedroschen, Mehl gemahlen und Brot gebacken, dass es den Menschen als Nahrung diene in diesen schweren Zeiten.“ Und er machte sich auf den Weg und fand schließlich den Hof seines Vaters.

Dort aber herrschte Nichtbrennbar mit harter Hand und alle waren verzagt und verzweifelt. Der Hof war grau und kalt, das Gesinde faul und ermattet. Draußen auf dem trockenen Felde standen dürre Rinder und zwischen Steinen gruben Schweine nach dreckigen Wurzeln. Selbst der Wald war öd und leer, Nichtbrennbar hatte Schneisen von Asphalt darein schlagen lassen und Baum und Strauch waren zur Sicherheit vor Feuer lange verbrannt und verscharrt. Nackte Erde und grauer Beton umgab Ställe und Haus und vergeblich suchten Hahn und Hühner vergessene Körner.

Brennbar aber sah seines Vaters zittrige Hand und schwaches Aug, der all das nicht mehr sah und dem zum Tun längst die Kraft fehlte. An der Stimme erkannte er seinen verlorenen Sohn, der zu ihm sagte: „Vater, ich habe schlecht und wild getan und gehandelt. Ich bin nicht mehr würdig dein Sohn zu sein, aber lass mich hier auf dem Hof die geringste und schwerste Arbeit verrichten. Ich will hingehen und auf dem Hof als Schäfer oder Schnitter wieder Kleider oder Brot schaffen, dass Wärme und Freude einkehrt, Schafe hüten oder Korn auf den Feldern ernten, den Mägden helfen, das Vieh zu füttern und mit den Knechten den Wald aufrichten zu unser aller Wohl.“

Dann suchte Brennbar seinen lang vermissten Bruder. Der saß traurig im steinernen Keller, denn wenn auch alles sicher war und gehütet vor Feuer und Bränden, so war er doch traurig über die Kälte im Haus und den Grimm seiner Hausgenossen. Er bereute oft sein Tun, wusste aber keine Hilfe und Rat, wie er die Farben und die Fröhlichkeit von damals wiedergewinnen konnte.

Da nahm in Brennbar in seinen Arm, drückte ihn fest und sagte: „Mein Bruder, wir waren beide klug und haben es gut gemeint mit unseren Ideen und Taten. Aber wir beide haben Fehler gemacht und in unserem Wirken übertrieben. Lass uns zusammentun und gemeinsam Hof und Gesinde führen. Lass uns die Bäume wachsen sehen und die Bänke bauen aus Brettern. Lass und die Betten füllen mit Federn und die Öfen mit lustigem Feuer. Aber lass uns auch vorsichtig sein und aufpassen, dass kein Feuer ausbricht und Schaden anrichtet über seine Grenzen. Lass uns fröhlich sein und feiern, lass uns aber auch Vorausschau halten nach Unfällen und Missgeschicken. So werden wir Haus und Hof wieder neu aufrichten, die Menschen mit Freude erfüllten. Lass uns alle froh sein und glücklich, trotzdem aber sicher und gesund auf alle Zeiten.“

So gingen beide denn hin zu ihrem alten Vater. Sie erzählten ihm von ihrem Plan und von der goldenen Zukunft. Der Vater freute sich, seine trüben Augen leuchteten glücklich und wenn sie nicht gebrochen sind, so leuchten sie noch heute.

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  • Wịldfang: Substantiv [der]
    ungezügeltes, lebhaftes Kind. “Sie ist ein richtiger Wildfang!”
  • Rembrandt Harmenszoon van Rijn (* 15. Juli 1606 in Leiden; † 4. Oktober 1669 in Amsterdam)

Die Geschichte von Brennbar und Nichtbrennbar

Weihnachtsgeschichte 2017

von Reinhard Eberl-Pacan

gefilmt von:

WWS Film BERLIN
Eberl-Pacan
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