Gibt es in Deutschland Klimaschutzmauern, Herr Eberl-Pacan?

… oder die Reise von Berlin nach Brandenburg.

Klimaschutzmauern in Deutschland? „Gibt es nicht“, denken Sie: „Mauern sind doch seit 30 Jahren Geschichte.“ Gibt es doch! Ich will Ihnen erklären wo und warum.

Stellen Sie sich vor, Sie wollen etwas gegen den Klimawandel tun: Etwa mit dem Zug statt mit dem Flugzeug reisen oder mit dem Fahrrad statt mit dem Auto fahren. Und dafür brauchen Sie eine Genehmigung, nennen wir sie eine „Klimaschutzgenehmigung“.

Soweit, so unsinnig genug. Doch es kommt noch schlimmer.

Stellen Sie sich weiter vor, diese „Klimaschutzgenehmigung“ gilt nicht für ganz Deutschland, sondern nur für bestimmte Länder, zwischen denen schier unüberwindliche „Klimaschutzmauern“ errichtet wurden.

Für Sie bedeutet das, dass Sie durch ganz Deutschland reisen dürfen, natürlich nur mit dem Flugzeug oder mit dem Auto. Nicht jedoch dann, wenn Sie den Zug oder das Fahrrad benutzen und damit etwas für den Klimaschutz tun.

Ihre „Klimaschutzgenehmigung“ endet plötzlich an irgendeiner Ländergrenze. Sie müssen dann das Fahrrad, aus Berlin kommend, an der „Klimaschutzmauer“ zu Brandenburg stehen lassen und bis Hessen oder Nordrhein-Westfalen mit dem Auto fahren. Oder an der „Klimaschutzmauer“ zu Bayern müssen Sie den Zug aus Stuttgart verlassen und mit dem Flugzeug weiterreisen; bis Sie dann endlich z.B. Österreich erreicht haben und mit Ihrer „Klimaschutzgenehmigung“ wieder den Zug benutzen dürfen. Und so weiter und so fort.

Sie können sich das nicht vorstellen? In Deutschland, ja sogar in Europa herrscht doch seit vielen Jahren Reisefreiheit? Jeder Mensch sollte doch nach eigenem Gusto das Klima schützen dürfen, wenn schon mit behördlicher Genehmigung, dann sollte diese doch für ganz Deutschland, vielleicht sogar für ganz Europa gelten?

Diese Vorstellung, die beim Reisen einigermaßen absurd klingt, ist beim Bau von Gebäuden jedoch Alltag-

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Mit Ziegel und Beton, die bekanntermaßen viel graue Energie schlucken und damit in hohem Maße zur Produktion klimaschädlichen Kohlendioxids beitragen, dürfen Sie – deutschlandweit – Gebäude in allen Dimensionen und allen Spielarten bauen. Wollen Sie für den Bau von Decken oder Wänden jedoch Holz verwenden, ist das nur in bestimmten Ländern zulässig. Dabei weiß doch inzwischen wohl jeder, dass Holz bei der Herstellung bekanntermaßen kaum graue Energie verbraucht und sogar Kohlendioxid bindet.

Doch die Mehrheit der Länder tut sich nach wie vor schwer damit, diesen klimaschützenden Baustoff uneingeschränkt zuzulassen. Länderparlamente und Behörden Starrsinn tun ein Übriges, um Deutschland durch Klimaschutzmauern in zwei Klimaschutzzonen zu teilen.

Eberl-Pacan
Architekten + Ingenieure für Brandschutz
Brunnenstraße 156
10115 Berlin-Mitte
Tel. +49 30 700 800 930