Neue Wege gehen

Neues Jahr 2019

Der Sommer 1989 war heiß und schwül. Als junger Architekt betreute ich gerade zwei große Baustellen für Industrie- und Verwaltungsbauten in Berlin. Eine befand sich im Süden der Stadt in der Ringbahnstraße in Berlin-Tempelhof, die andere im Norden am Borsighafen in Berlin-Tegel. Meistens fuhr ich deshalb mindestens zweimal die Woche quer durch das damalige Berlin (West) oder Westberlin.

Quer durch den Westteil des geteilten Berlins, das hieß damals: ich startete mit meinem Golf C [1] am Tempelhofer Damm und endete irgendwo hinter der Wittestraße in Tegel. Oder umgekehrt. Die meiste Zeit sah ich vor mir den Berliner Fernsehturm. Doch ein Stück bevor ich dort hätte ankommen können, musste ich abbiegen. Die Berliner Mauer versperrte den direkten Weg durch Berlin-Mitte und ich fuhr drumherum über die sogenannte „Entlastungsstraße“ [2], damals Berlins traurigste Straße.

Am 9. November 1989 öffnete sich die Berliner Mauer. Die Überraschung und die Veränderungen, die dieser Vorfall damals auslöste, ist heute immer noch unvorstellbar. Der „Eiserne Vorhang“, die bitterste Trennung von Menschen, von Ländern, von Gesellschaften war gefallen.

Ein Augenblick, um neue Wege zu gehen.

Neue Zeile

Sicher dauerte es noch eine ganze Weile, bis die Verkehrsflüsse in der nun vereinten Stadt Berlin neu geordnet und die alten zerstörten Straßenverbindungen zwischen Ost und West, Nord und Süd wieder einigermaßen hergestellt waren. Es wird wohl Januar oder Februar 1990 gewesen sein, bis ich endlich den Entschluss fassen konnte, nicht mehr über die Entlastungstraße zu fahren, sondern von Norden und Süden den Fernsehturm direkt anzusteuern und einfach durch Mitte hindurchzufahren.

Es war eine lange Reise. Der Weg selbst war sicher kürzer, aber durch Staus und Baustellen dauerte er wesentlich länger. Mittags war ich zeitig losgefahren, aber erst am späten Nachmittag kam ich schließlich in der Ringbahnstraße an. Der Weg hatte mich jedoch durch eine völlig neue Stadt geführt, hatte mir neue Straßen, neue Gebäude gezeigt und neue Erfahrungen gebracht. Obwohl damals alles noch sehr unfertig aussah und vieles der Reparatur oder der Neuanschaffung bedurfte, Berlin war für mich plötzlich eine Großstadt geworden.

Der Weg von Tegel nach Tempelhof mit dem Fernsehturm vor Augen hätte mich auch über die Brunnenstraße führen können. Dorthin, wo wir seit Juli letzten Jahres unser neues Büro bezogen haben und von wo aus wir erfolgreich unsere Arbeit fortsetzen und neue Wege gehen wollen. Doch von dieser Gegend will ich andermal mehr erzählen …

Neue Zeile

Visionen

Was brauchen wir, um Neue Wege zu gehen?

Nun, zunächst einmal neue Ziele, oder besser noch: Visionen.

Wer Visionen hat sollte zum Arzt gehen, sagte einmal der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt. Das ist sicher eine gute Möglichkeit, mit unerwarteten Erscheinungen umzugehen. Es ist ja nicht so, dass wir uns unsere Träume und fixen Vorstellungen aussuchen. Oft kommen sie über uns, packen uns und lassen uns nicht mehr los. Da hilft meist kein Arzt. Wir können sie eine Weile verdrängen, aber irgendwann sollten und irgendwann werden wir ihnen nachgeben. Und neue Ideen entwickeln und neue Wege gehen.

Bereits in den letzten Jahren hatten wir uns immer wieder neue Ziele gesteckt und Visionen entwickelt. Nicht immer sind wir Neue Wege gegangen, aber immer haben wir unseren Weg unserer Vision angepasst:

2018Im Zeichen des Wachstums

  • Wachstum ist der natürliche Zustand alles organischen Lebens

2017Im Zeichen der Stille

  • Stille und Beharrlichkeit

2016Jahr des Holzbaus

  • Es ist an der Zeit!

2015Glück und Fried und Einigkeit

  • Mit dem Naheliegenden anfangen

Ziele sind Wegweiser. Im Idealfall bringen sie uns näher an den Ort unserer Vision. Als ich durch Berlin-Mitte fuhr, hatte ich ja durchaus kein neues Ziel, sondern eine altbekannte Baustelle im Kopf. Der Weg durch ein vereintes Berlin war die Vision oder besser noch, die Vereinigung dieser Stadt, von der jeder von uns – meistens heimlich und ohne es sich wirklich einzugestehen – geträumt hatte. Bei mir manifestierte sich diese Vision spätestens in der Diplomarbeit 1987

Teams

Gute und eingespielte Teams sind Lichtblicke in einem Unternehmen und in einem Unternehmerleben. Sie sind produktiver und kreativer als die Summe der einzelnen Mitglieder. Diese Teams sind kostbar und doch so fragil. 2018 haben wir alle das Scheitern eines hochgelobten und doch so brüchigen Teams erlebt, der glorreichen deutschen Fußball-Weltmeister-Mannschaft.
Diese Teams fallen nicht vom Himmel, aber sie können auch nicht am grünen Tisch künstlich erschaffen werden. In den vielen Jahren als Architekt und als Brandschutzplaner habe ich immer wieder wunderbare Teams erlebt. Habe sie zusammengestellt, mitgestaltet und war Teil von ihnen.

Beim Städtebaulichen Wettbewerb − Lichterfelde Süd 1997 wurden wir als Außenseiter in die Teilnehmerriege gelost. Überraschend war unser Team einer von sieben Preisträgern.

Pr² nannte sich das deutschlandweite Team, mit dem ich 1999 bis 2001 mehrere große Rechenzentren in verschiedenen Großstädten fertigstellte.
Den Aufbau eines Architektur- und Ingenieurbüros für Brandschutz mit der Spezialisierung auf den Brandschutz im Holzbau hätte ich ohne die Teams, die mich seit 2007 begleiten, nicht geschafft.

Das Jahr 2018 war geprägt von einigen Veränderungen in unserer bewährten und erfahrenen Gemeinschaft. Doch neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen frischen Wind und zündende Ideen. Da wuchs etwas zusammen, was zusammengehört: Erfahrung und Innovation, Beständigkeit und Wandel: Unser Team für 2019: Freundlich und kompetent

Dankbarkeit

Für alles das bin ich dankbar. Dazu muss viel mehr nicht gesagt werden.

Eberl-Pacan
Architekten + Ingenieure für Brandschutz
Brunnenstraße 156
10115 Berlin-Mitte
Tel. +49 30 700 800 930