Nicht nur Fassade – gutes Klima für alle

Ein Baugruppenprojekt in Pankow stellte ökologisches Bauen in den Fokus. Seit einem Jahr lebt dort eine zufriedene Gemeinschaft

16. Februar 2013 von Anna Klar

„Bauen mit Holz liegt im Trend“, sagt Architekt Hartmut Falkenberg. Kein Wunder also, dass eines der Baugruppenprojekte in Berlin-Pankow, an dem er beteiligt war, schnell großen Andrang fand. 13 Familien, davon 26 Erwachsene und 19 Kinder, leben nun seit einem Jahr in dem Haus und freuen sich über das gesunde Klima und das gute Miteinander.

„Wir wollten ökologisch bauen und haben von Anfang an auch auf Holz gesetzt“, sagt der Architekt. Die Fassade des Mehrfamilienhauses sollte sowohl an der Frontseite zur Straße hin als auch auf der Hinterseite zum Garten komplett mit Lärchenholz verkleidet werden. Gleiches wurde auch für alle Balkone und Loggien vorgesehen. Auch hier setzten die Planer auf unbehandeltes Lärchenholz.

Umweltaspekt war vorrangig

„Ferner haben wir nur mit Materialien geplant, die hinsichtlich ihrer Gewinnung, Verarbeitung, Funktion und Beseitigung eine hohe Gesundheits- und Umweltverträglichkeit aufweisen“, sagt der Fachmann. So habe man zum Beispiel auch bei den Rahmen für die dreifachverglasten Fenster auf heimische Nadelhölzer gesetzt.

„Die Architekten haben zusammen mit der Baugruppe eine Liste mit Materialien aufgestellt, die beim Bau nicht verwendet werden dürfen, da sie besondere Gifte enthalten oder umweltschädlich sind. So weit vorhanden, wurde auf Produkte mit dem Umweltprüfzeichen Blauer Engel zurückgegriffen“, erklärt Hartmut Falkenberg und fügt an: „Auch bei der Dämmung war der Umweltaspekt vorrangig. Die Außenwände des Gebäudes wurden mit einem mineralischen Wärmedämmverbundsystem abgedichtet. Eine der Wohnungen wurde gar auf Wunsch der Eigentümer mit Lehm verputzt.“

Zahlenwerk

81

Prozent der Deutschen ist das ökologische Wohnen sehr wichtig. Das ergab eine Studie im Auftrag von ImmobilienScout24. Noch 2007 waren es mit 40 Prozent nur halb so viele Menschen. Dem widerspricht jedoch die mit 13 Prozent geringe Bereitschaft, für umweltbewusstes Wohnen mehr Geld auszugeben.

„Nachhaltigkeit ohne Einbußen an Komfort“

Holzhäuser erfreuen sich auch aufgrund des Klimas besonders bei Baugruppen hoher Beliebtheit

Interview mit Reinhard Eberl-Pacan von Anna Klar

Was ist das Besondere an einem Haus mit einer Holzfassade?

Häuser mit Holzfassaden können besonders in verdichteten Innenstädten für eine lebendige Architektur sorgen. Ein Umfeld, geprägt von Putzfassaden, wird dadurch optisch aufgelockert. Selbstverständlich sollte eine Stadt nicht nur aus Holzfassaden bestehen.

Welches Holz eignet sich besonders zum Bau von Holzhäusern? Welches sollte man meiden?

Für Fassaden, die unbehandelt bleiben und natürlich verwittern sollen, eignet sich besonders das Holz der Lerche und der Douglasie. Andere europäische Laub- und Nadelhölzer erfordern eine Beschichtung (z. B. Klarlack), die regelmäßig gewartet bzw. erneuert werden muss.

Wodurch unterscheidet sich das Bauen mit Holz vom Massivhausbau?

Bauen mit Holz steht für ein gesünderes Wohnklima, für mehr Energieeffizienz und für Nachhaltigkeit. Im Gegensatz zu den Baustoffen von Massivbauten (Mauerwerk, Beton) wird bei der Herstellung von Holz kein klimaschädliches CO2 erzeugt. Dieses Gas wird von den Bäumen sogar aufgenommen und bleibt – bis zur Verbrennung – im Holz gebunden.

Wie brandbeständig ist ein Holzhaus? Wie lang hält es einem Feuer stand?

Holzhäuser, die den Bestimmungen der Bauordnung entsprechen sind so „brandsicher“ wie vergleichbare Massivbauten und halten dem Feuer genauso lange stand. Sollten aufgrund von Baubestimmungen (z. B. brennbare Baustoffe dürfen bei bestimmten Bauteilen nicht verwendet werden) Abweichungen von der Bauordnung für Holzhäuser erforderlich sein, müssen diese durch Kompensationen (Ausgleichsmaßnahmen, z. B. Einbau von Rauchmeldern oder einer Brandmeldeanlage) ausgeglichen werden. Dadurch wird das Sicherheitsniveau von Massivbauten wieder erreicht.

Welche Möglichkeiten hat man, das Holz länger vor Feuer zu schützen?

Holz kann durch zwei wesentliche Möglichkeiten vor Feuer geschützt werden:
Tragende Holzkonstruktionen werden durch „Kapselung“ (Verkleidung der Holzbauteile z. B. mit Gipskartonplatten) vor einem schnellen Abbrand geschützt. Sie halten so dem Feuer wesentlich länger stand.
Eine zu schnelle Ausbreitung von Feuer auf Holzoberflächen kann im Innenbereich durch Beschichtungen mit sogenannten Dämmschichtbildnern verhindert werden. Diese beschichteten Holzoberflächen gelten dann als schwerentflammbar (Baustoffklasse B1).

Was ist bei der Renovierung oder Sanierung eines Holzhauses zu beachten?

Bei der Renovierung unterscheiden sich moderne Holzhäusern nicht wesentlich von Massivbauten. Schädigungen in der Bausubstanz sind unwahrscheinlich. Bei bewitterten Bauteilen oder Oberflächen sind schadhafte Beschichtungen ggf. vollständig zu entfernen und durch zeitgemäße Holz- und Brandschutzmaßnahmen zu ersetzen.
Die Renovierung und Sanierung historischer Holzhäuser erfordert dagegen eine umfassende Analyse des Bestandes und darauf aufbauend eine kompetente Planung und Ausführung – auch der Brandschutzmaßnahmen.

Die Gegend um Berlin ist nicht typisch für Holzhäuser. Gibt es hier einen neuen Trend, oder ist das Haus ein „Unikum“?

Im Zuge der Debatten um Umweltschutz, Energieeinsparung, Nachhaltigkeit und baubiologischer Architektur erfreuen sich Holzhäuser besonders bei Baugruppen hoher Beliebtheit. Hier kann durchaus von einem Trend gesprochen werden.

Was macht den besonderen Charme eines Holzhauses in Bezug auf die Wohnqualität aus?

Das Wohnen im Holzhaus vermittelt vielen zuerst vielleicht nur ein besseren Umweltgewissen. Doch natürliche Baustoffe, lebendige Oberflächen und diffusionsoffene Fassaden erzeugen auch ein deutlich besseres Wohnklima als konventionelle Massivbauten. Positiv ist, dass dieser Zugewinn an Nachhaltigkeit, Gesundheit und Umweltverträglichkeit nicht durch Einbußen an Komfort oder Sicherheit erkauft werden muss.

Eberl-Pacan
Architekten + Ingenieure für Brandschutz
Brunnenstraße 156
10115 Berlin-Mitte
Tel. +49 30 700 800 930