EnEV im Bestand: Titelthema

Brandschutz – Wie gefährlich sind WDV-Systeme?

Ohne Zweifel – die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden ist eine äußerst anspruchsvolle und herausfordernde Aufgabe! Dabei liegt die Schwierigkeit besonders darin, die Vorgaben der EnEV mit den Gegebenheiten der vorhandenen Gebäude zu vereinbaren und dabei gleichzeitig die Kosten im Blick zu behalten, um allen Anforderungen gerecht zu werden.

EnEV im Bestand, die erste Zeitschrift speziell für die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden, unterstützt Sie als Fachplaner mit aktuellen Informationen und realisierten Beispielen von Experten aus der Praxis.

Mit dem Brandschutz von Wärmedämmverbundsystemen befasst sich das Titelthema der Ausgabe März 2013 der Zeitschrift EnEV im Bestand.

Reinhard Eberl-Pacan erläutert in dem Beitrag Wie brandgefährlich sind WDV-Systeme? und zieht als Fazit:

Mit einem Brand muss immer gerechnet werden. Ausgelöst werden kann er z. B. durch technische Defekte, Fahrlässigkeit oder Brandstiftung. Brände innerhalb oder vor dem Gebäude können über die Außenwand von Fenster zu Fenster fortschreiten und zu gefährlichen Situationen für deren Benutzer und die Rettungskräfte sowie zu hohen Sachschäden führen. Panikmache ist ebenso wenig zielführend wie eine komplette Entwarnung.

Im Zuge der Energiewende sollen immer mehr Gebäude mit immer dickeren Dämmungen versehen werden. Aus Kostengründen, aus mangelndem Wissen über Alternativen und wegen der vermeintlich einfacheren Verarbeitung sind dabei WDVS-Fassaden oft die erste Wahl.

Allein 2011 wurden 42,5 Mio. Quadratmeter WDVS verbaut. Die Dämmdicken wuchsen in den letzten zehn Jahren im Durchschnitt von ca. 90 mm auf ca. 121 mm. Entsprechend groß ist die Angst der Dämmstoffhersteller, dass die „einseitige Berichterstattung über WDVSysteme in den Medien … zur Verunsicherung der Kunden“ führt.

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Die Anzahl der Brände, an denen WDVS beteiligt war, ist im Verhältnis zur verbauten Menge gering. Die gravierenden Folgen gehen meist auf Sonderfaktoren (Fehlplanungen, hohe Brandlasten, Baustelle) oder Schlamperei am Bau zurück. Die ausführenden Baufirmen sind z. T. nicht qualifiziert oder beschäftigen schlecht ausgebildete Mitarbeiter. Vorgeschriebene Brandschutzmaßnahmen wie Sturzschutz oder Brandriegel werden fehlerhaft oder gar nicht ausgeführt. Durch ein andauerndes Gerangel von Lobbyinteressen, Baurechtsinstituten, Baubehörden und den Wirrwarr von nationalen und europäischen Anforderungen wird die gesetzeskonforme Verwendung von WDVS zusätzlich verkompliziert.

Aus dieser Momentaufnahme leiten sich dringend erforderliche Maßnahmen ab, die die Sicherheit von WDVS verbessern können. So müssen umgehend die Ungereimtheiten zwischen nationalen und europäisch-harmonisierten Regelungen geklärt werden. Dann wird auch eine neue unabhängige Überprüfung der Systeme und ggf. eine Anpassung an die Situation auf den Baustellen erforderlich.

Sicheres WDVS muss nach dem Einbau den baurechtlichen Anforderungen und den Vorgaben der Hersteller entsprechen. Eine ordnungsgemäße Planung, Ausführung, Überwachung und Dokumentation stellt dies sicher. Fehler bei der Bauausführung bergen Gefahren: durch Sensibilisierung und Information der Beteiligten können sie vermieden werden. Gefordert sind dazu sensibilisierte Architekten, Bauleiter und Bauaufsichtsbehörden ebenso wie fachkundige Baufirmen mit gut ausgebildeten Mitarbeitern.

Aktuelle Entwicklungen und Diskussionen

Brandschutz – Wie gefährlich sind WDV-Systeme?

Bauminister beschließen vertiefte Brandtests mit Polystyrol-Fassadendämmungen

Rentsch: „Bürger müssen auf Sicherheit der Baustoffe vertrauen können“

Fassadendämmsysteme auf Polystyrolbasis werden vertieft auf ihre Brandgefahr getestet. Dies haben am Freitag die Bauminister der Länder beschlossen, wie Hessens Wirtschaftsminister Florian Rentsch mitteilte:

„Der heutigen Entschluss der Bauminister, Wärmedämmverbundsysteme mit Polystyrol-Dämmplatten in einer Versuchsreihe unter erweiterten Bedingungen prüfen zu lassen, ist auf hessisches Betreiben zustande gekommen; ich begrüße ihn daher ausdrücklich. Ich bin froh, dass wir damit ein großes Stück weiter gekommen sind, die Unsicherheiten nach den Ereignissen im vergangenen Jahr auszuräumen.“

Rentsch hatte das Brandverhalten von Wärmedämmverbundsystemen mit Polystyrol-Dämmstoffen im vergangenen Jahr auf die Tagesordnung der Bauministerkonferenz setzen lassen. Vorangegangen war ein schwerer Brandfall in Frankfurt. Die Bauminister setzten daraufhin eine Expertengruppe ein. Nach Analyse der Brände bestätigten die Fachleute, dass Wärmedämmverbundsysteme mit Polystyrol-Dämmstoffen bei den üblichen, auf Zimmerbränden basierenden Szenarien hinreichend sicher sind. Sie sprachen sich jedoch für zusätzliche Tests unter Bedingungen aus, wie sie etwa beim Brand eines Müllcontainers entstehen. Dieser Empfehlung folgte die Konferenz.

„Die Bürger müssen darauf vertrauen können, dass die verwendeten Baustoffe und die technischen Anlagen sicher sind“, sagte Rentsch. In den vergangenen 50 Jahren wurden in Deutschland mehr als 800 Mio. m² Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) an Gebäudefassaden angebracht. Den größten Marktanteil haben dabei Dämmstoffe aus expandiertem Polystyrol-Hartschaum (EPS).

Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung
Pressemitteilung Wiesbaden, 22.03.2013

Eberl-Pacan
Architekten + Ingenieure für Brandschutz
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Tel. +49 30 700 800 930