Wie alles begann:

Laudatio Juli 2007

Als ich mich in den ersten Monaten des Jahres 2007 als Architekt auf das Thema “Brandschutz” stürzte, wußte ich nicht wirklich, was mich da alles erwarten würde. Mein damaliger Coach, Volker Eich, forderte mich in einer unserer ersten Sitzungen dazu auf, 10 oder 15 Jahre nach vorne zu blicken und eine Laudatio auf mich selbst schreiben. Wenn ich heute darin lese, scheint alles wie durch ein Wunder Wirklichkeit geworden zu sein:

Es ist mir ein besonderes Vergnügen EP am heutigen Tage den renomierten Preis für Brandschutz im Holzbau überreichen zu dürfen.

Alle erinnern wir uns noch jener Tage, als die wahrhaft revolutionäre Auffassung von Brandschutz und Holzbau sich unerwartet und doch konsequent durchzusetzen begann.

Wir wissen heute alle, dass Holzbauten sehr langlebig sind, beste bauphysikalische Grundbedingungen für Wärmedämmung, Schallschutz, Luftdichtheit schaffen und natürlich Spitzenreiter im Energiesparen sind.

Bei guter Planung von Konstruktion und verwendeten Materialien werden durch Vorfertigung der Einzelteile auf der Baustelle sowohl Energiekosten als auch Zeit gespart. Kurze Bauzeiten und lärm- und stressarme Baustellen bieten Vorteile für Nachbarn und andere Betroffene.

Holzbauten sind nicht nur in der Nutzung, sondern bereits während der Bauphase äußerst wirtschaftlich.

Ihre Nachhaltigkeit ist längst bewiesen und so müssen Sie auch in der „Langlebigkeit“ keinem Vergleich mit herkömmlichen massiven Bauten scheuen

Doch nur wenige und mutige Pioniere hatten damals damit begonnen, auf Grund dieser Tatsachen innerstädtische und mehrgeschossige Häuser in Holzbauweise zu errichten.

Die Basis für ihr Schaffen war jedoch kläglich. Ein System starrer Vorschriften und Normen engte die Möglichkeiten der Umsetzung ein, massive Vorurteile schlugen ihnen entgegen. Holz, ein Baustoff, der sich seit den großen Stadtbränden des ausgehenden Mittelalters als Baustoff weitgehend aus der Innenstadt verabschiedet hatte, stand unter dem Generalverdacht der Brennbarkeit.

Vergessen wurden dabei auch all die segensreichen Eigenschaften, die dieser nachwachsende Rohstoff bei Gebäuden auch in Sachen Brandschutz als Trümpfe ausspielen kann:

  • Seine guten Dämmeigenschaften, von 0,22 W/mK (zum Vergleich Beton: 0,69 W/mK),
  • Dämmung und Tragwerk in einer Ebene
  • seine hohe Wärmekapazität, d. h. die Wärmemenge, die nötig ist, um 1 kg eines Materials zu erwärmen, (bei Holz etwa 4-mal größer als bei Eisen)
  • die geringe Wärmedehnung (sie kann bei Holz in der Praxis vernachlässigt werden, da sie durch das Schwindverhalten infolge Trocknung überkompensiert wird)
  • sein inhomogener Materialaufbau Zellulose 42–51 % Hemicellulose 24–40 % Lignin 18–30 % Extraktstoffe 2–10 % Asche 0,2–0,8 %
  • seine Fähigkeit sich selbst mit Hilfe des Feuers eine schützende Kohleschicht gegen das Feuer aufzubauen. (Die Gebäudestabilität sinkt im Brandfall nur langsam und abschätzbar, wohingegen Stahlkonstruktionen aufgrund des temperaturbedingten Festigkeitsverlustes zum plötzlichen, unkontrollierten Zusammenbruch neigen)
  • Holz als Baustoff für ressourcenschonenden und nachhaltigen Umgang mit der Natur
  • weniger Primärenergiebedarf

neue Zeile

Es war ein langer Weg und es brauchte lange Zeit, bis diese grundlegenden Fakten wieder berücksichtigt wurden. Hier lag ein wesentlicher Verdienst unseres heutigen Preisträgers. Seine ersten Konzepte und Berechnungen zu Brandereignissen in Holzbauten betraten Neuland. Geschickt nutzte er erst die Möglichkeiten, die sich aus den damals beginnenden Anpassungen der deutschen Normen an Europäische Normen ergaben.

In Einzelkontakten und in Vorträgen auf Versammlung und Kongressen wies er Kollegen, Architekten, Nutzern, Verantwortlichen der Holzindustrie innovative Wege in neue Märkte.

Engagiert und mit hoher Fachkenntnis lenkte er sowohl die Aufmerksamkeit auf existierende Forschungsergebnisse wie er neue Forschungen zu dem Thema inspirierte. Auf immer breiterer Front entstanden neue Bezugsgrößen, die bald in Regeln und Normen ihren Niederschlag fanden und neue Freiheiten und Ermessenspielräume für kreative Geister eröffnet wurden.

Seine Erkenntnisse und Zusammenfassungen führten zu einem langsamen Bewusstseinswandel bei Prüfbehörden. Sie führte dazu, dass Holz nicht mehr Prüfnormen unterworfen wurden, die theoretisch waren und diesen Baustoff klar benachteiligten.

Gemeinsam mit einem Umdenken in Stadtplanung und Energiepolitik machte es weiterhin möglich, dass energiesparende wirtschaftliche Häuser aus Holz nicht mehr nur am Stadtrand oder in Siedlungen vorstellbar waren, sondern auch als Vielgeschosser in verdichteten Innenstädten.

Ein „Reifungsprozess“ unter den Bewohnern löste einen Run aus, hin zu diesen – damals noch utopischen – Wohnvorstellungen aus modernem elegantem Holzdesign, warm anheimelnd und gemütlich und doch mitten im Herz der Städte.

Nutzen Architekten/Ingenieure

Er begleitete Architekten und Statiker auf ihrem Weg zu neuen innerstädtischen Wohngebäuden und hielt ihnen beim Brandschutz den Rücken frei. Durch seine intensive Beschäftigung mit dem Thema lieferte er ihnen schlagkräftige und innovative Ideen, damit diese ihrerseits ihre Auftraggeber überzeugen konnten.

Nutzen Bewohner/Nutzer

Für ein modernes nachhaltiges und ressourcenschonendes Bauen, Wohnen und Arbeiten in der Innenstadt existierte bereits damals ein großes Potential an Interessenten, die durchaus bereit waren, für ihren Traum ein hohes Maß an Engagement und Durchstehvermögen aufzubringen.

Nutzen Holzindustrie

Holzbaufirmen standen mit dem Wunsch in den Startlöchern, sich mit ihren Produkten, die mit hohen Kosten optimiert und geprüft waren und sich in der Praxis bereits bewährt hatten, neue Märkte und Möglichkeiten zu erschließen.

Eberl-Pacan
Architekten + Ingenieure für Brandschutz
Brunnenstraße 156
10115 Berlin-Mitte
Tel. +49 30 700 800 930